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Der Langenscheidt-Verlag kürt alljährlich das „Jugendwort des Jahres“. In diesem Jahr hat der Begriff „Smombie“ das Rennen gemacht, ein bislang recht unbekanntes Wort. Gleichzeitig wird in Großbritannien ein Emoji zum „Wort des Jahres“ gekürt. Als Kommunikationsexperten beschäftigen auch wir Maisbergers uns tagtäglich damit, Sprache zu hinterfragen. Klar, dass das auch vor unserem Traineeblog nicht Halt macht. Wir fragen uns: Was ist eigentlich los mit unserer Wort-Wahl?

Das Jugendwort des Jahres lautet „Smombie“ – das hat der Langenscheidt-Verlag vor einigen Tagen bekannt gegeben. Smombie?! Nie gehört. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Komposition aus Smartphone und Zombie, um einen Zeitgenossen also, der nur noch auf sein Smartphone starrt und die reale Welt um sich herum nicht mehr wahrnimmt. Zugegeben – das Phänomen ist bekannt. Nur dass es so heißt, ist neu. Tatsächlich taucht der Begriff in Suchmaschinen und sozialen Netzwerken nur im Zusammenhang mit der Jugendwort-Wahl auf. Und das Internet vergisst ja bekanntlich nie etwas.

Das sorgt für reichlich Diskussion in den Medien und sozialen Netzwerken. Ein Jugendwort, das die Jugend nicht kennt, ist nicht wirklich eines, so die Kritiker. Dennoch ist Smombie eine gute Wahl – zumindest aus PR-Sicht. Denn eigentlich steckt hinter der Jugendwort-Wahl mehr als eine gut gemeinte Initiative, um die Bevölkerung über die Irren und Wirren einer Jugendsprache zu informieren. Sie ist Teil einer PR-Strategie, einer ziemlich guten sogar:

  • Smombie ist (noch) unbekannt. Das regt zum Nachdenken an. Reden Jugendliche wirklich so? Falls ja, bin ich schon zu alt, um das zu merken? Die großen deutschen Tageszeitungen berichten darüber, in sozialen Netzwerken wird heiß diskutiert und der Hashtag #Smombie erobert Twitter. Der Begriff bleibt im Gespräch – und findet bald vielleicht wirklich Eingang in die deutsche Sprache.
  • Smombie ist erklärungsbedürftig. Smartphone + Zombie = Smombie. Sprachwissenschaftlich betrachtet haben wir es hier mit einem sogenannten Kofferwort, Schachtelwort oder Portmanteau-Wort zu tun. Das macht es komplex, aber auch interessant.
  • Smombie macht neugierig. Wenn dieses Wort den ersten Platz belegt – welche sonderbaren Dinge mögen sich dann auf den hinteren Rängen verbergen? Welcher Begriff hat im letzten Jahr gewonnen? Und schon klickt man sich durch, gelangt auf die eigens für die Wort-Wahl kreierte Microsite und setzt sich ganz nebenbei auch noch mit dem Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“ auseinander.

Übrigens: Auch in Großbritannien machen sich die Wörterbuch-Verlage Gedanken über Sprache. Die Oxford Dictionaries-Redaktion hat erst kürzlich das „Wort des Jahres“ gekürt. Und das ist gar kein Wort, sondern – Überraschung! – dieses Emoji:

EmojiDas lachende Gesicht mit den Freudentränen sei das beliebteste und am häufigsten genutzte Emoji der Briten gewesen – so eine Studie der Oxford Dictionaries. Zugegeben: Auch ich habe schon bemerkt, dass gerade dieses Emoji in letzter Zeit inflationär verwendet wird. Emojis erobern unseren Alltag, das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Aber können sie unsere Sprache ersetzen, wie wir sie seit Tausenden von Jahren als Kommunikationsinstrument nutzen?

Ersetzen vielleicht nicht, aber verändern. Unsere heutige Kommunikation ist um einiges vielseitiger als die aller früheren Generationen. Wir kommunizieren eben digital – und Emojis sind ein Teil dieser Entwicklung. Warum also nicht ein Emoji? Mit dem Smombie kann es das britische „Wort des Jahres“ allemal aufnehmen. Schließlich ist es bekannt, weltweit verständlich und wird im Gegensatz zum Smombie tatsächlich genutzt. Und auch aus PR-Sicht eignet es sich optimal: Es sorgt für Verwirrung, Diskussion und ist eine Meldung wert.

Auffällig ist aber vor allem eines: Bei beiden Wort-Wahlen hat der Sieger-Begriff etwas mit dem Smartphone und unserer digitalen Welt zu tun. Zufall? Wohl eher weniger. Denn irgendwie sagt es ja doch etwas über unsere Gesellschaft aus. Sind wir am Ende doch alle Smombies, die mithilfe von Emojis kommunizieren? Dann fehlt ja eigentlich nur noch das Smombie-Emoji.

Brigitte Galiger

Brigitte Galiger

Hat Politikwissenschaft und Französisch an der Uni Heidelberg studiert. Ist seit Januar 2015 PR-Trainee bei Maisberger und Mitglied im IT-Team. Beschäftigt sich mit Netzwerkthemen, innovativen Softwarelösungen und Big Data Analytik.
Brigitte Galiger