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Die erste Pressemitteilung wurde 1906 in der New York Times veröffentlicht. Auslöser war ein Eisenbahnunfall in Atlantic City, New Jersey. Eine Eisenbahn der Pennsylvania Railroad entgleiste am 28. Oktober 1906 auf einer Zugbrücke aufgrund eines technischen Fehlers. Der Zug stürzte in den darunter verlaufenden Fluss und es ertranken 53 Menschen. In Folge dieses Unfalls ging der Public-Relations-Experte der Pennsylvania Railroad, Ivy Lee, die Vertreter der Zeitungen, die über das Unglück berichteten, offensiv mit einer Presseerklärung an. Von der Offenheit des Unternehmens beeindruckt, veröffentlichte auch die New York Times die Presseerklärung am 30. Oktober 1906.

Bildquelle: Socialized PR 2015

Das Aufgreifen von Pressemitteilungen funktioniert heutzutage anders. Neben die klassischen Printausgaben der Medien ist eine Vielzahl an digitalen Formaten getreten. Deswegen sprechen mittlerweile viele davon, dass das klassische PR-Tool Pressemitteilung gestorben ist. Doch stimmt das?

Klar ist, dass sich die Mediennutzung radikal geändert hat und diese 180°-Wendung auch nicht spurlos an der Pressemitteilung vorbeigegangen ist. Beispielsweise kündigte Amazon sein neues Kindle Fire Tablet nicht mit einer Pressemitteilung an, sondern mit 14 Tweets. Ein Zeichen dafür, dass Kommunikation mobil und omnipräsent geworden ist und sich Media Relations auf Social Media ausgeweitet haben. Schließlich finden sich hier viele Funktionen, die eigentlich die Pressemitteilung inne hat(te). Außerdem unterstützen sie die steigende, strategische Bedeutung interaktiver Kommunikation.

Andererseits zeigen Umfragen, dass die Mehrheit der deutschen Journalisten Pressemitteilungen empfangen und diese auch für ihre Artikel nutzen. Sie ist sogar, neben externen Internetquellen und Telefongesprächen, immer noch eine der wichtigsten journalistischen Recherchemethoden. So findet sich im Schnitt jede fünfte Pressemitteilung in den Folgetagen in ausgewählten Tageszeitungen wieder[1], was Unternehmen wiederum oft positiv bewerten.

Insofern trifft das Sprichwort „Totgesagte leben länger!“ vollkommen auf die Pressemitteilung zu. Sie mag in die Jahre gekommen sein, doch ist ihr Informationspotential immer noch hochgeschätzt. Sie ist also nicht tot – sie hat sich nur an unsere Mediennutzung angepasst. Man kann also von der Pressemitteilung 2.0 oder auch von der Medienmitteilung sprechen. Der Inhalt ist flexibler geworden und wird oft auf den sozialen Netzwerken verbreitet. Zusätzlich gibt es bei Versandtools für Pressemitteilungen die Möglichkeit, Bilder, Links und Videos mit einzubinden – ganz im Sinne unserer heutigen Mediennutzung. Zum 110. Geburtstag der Pressemitteilung können wir also getrost rufen: „Hoch lebe die Pressemitteilung!“

[1] Prof. Dr. Holger Sievert, Hochschule Macromedia: Eigene Erhebung mit Unterstützung von Convento

Bildquellen: Library of Congress 1907; New York Times 1906; Simmons-Boardman1922; Socialized PR 2015

Anna von Trips

Anna von Trips

Kommt ursprünglich aus München und hat die letzten drei Jahre an der Universität Konstanz Literatur-Kunst-Medien studiert. Seit Oktober 2015 ist sie Trainee bei Maisberger im HR- sowie im IT-Team und beschäftigt sich unter anderem mit Infrastrukturen in Rechenzentren und Employer Branding.
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