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Momentan übertrumpfen sich die Prominenten der Welt in Sachen Großzügigkeit: In vorweihnachtlichen Spendenmarathons im Fernsehen zeigen sie sich umringt von Kindern, auf Wohltätigkeitsgalas sammeln sie tausende von Euros und Dollars für die Erforschung von Krankheiten und in privaten Stiftungen bringen sie ihre philanthropische Seite zum Ausdruck. Ja, dieses ganze Gutmenschtum kann man als selbstloses Engagement verstehen – oder etwas zynischer als kalkulierte PR-Maßnahme.

Jüngst haben Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seine Frau nach der Geburt der gemeinsamen Tochter angekündigt, fast ihre gesamten Facebookaktien für den guten Zweck zu spenden – die belaufen sich momentan auf einen Wert von rund 45 Milliarden US-Dollar. Weltweit berichteten die Medien darüber, als wäre die erste bemannte Mission auf dem Mars gelandet. Zuckerberg und seine Frau reihen sich damit ein in eine Riege prominenter Wohltäter: George Soros, Bill und Melinda Gates, Oprah Winfrey sind bekannt dafür, durch eigene Stiftungen „den guten Zweck“ zu unterstützen.

An und für sich spricht nichts dagegen, wenn Leute, auch prominente und wohlhabende, ihr Geld für wohltätige Zwecke spenden und darüber berichtet wird. Wenn Lieschen Müller 10 Euro im Jahr an den Tierschutzverein gibt, wird aber kaum eine Zeitung drüber schreiben und mehr als eine Dankeskarte zu Weihnachten wird sie dafür auf den ersten Blick auch nicht bekommen. Deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass Frau Müller Geld spendet, weil ihr an dem Tierschutzverein etwas liegt.

Anders ist das bei reichen Personen. Wenn Mark Zuckerberg ankündigt, fast sein gesamtes Vermögen noch zu Lebzeiten für wohltätige Projekte nutzen zu wollen, werden andere Stimmen laut: Kalkül, nichts als eine PR-Masche, steuerliche Hintergedanken, schlechtes Gewissen und so weiter. Die offiziellen Beweggründe lauten, er möchte seiner Tochter eine bessere Welt hinterlassen.

Ja, möglicherweise spart Herr Zuckerberg dadurch Steuern. Ja, möglicherweise freut er sich über die positive PR. Ja, möglicherweise hat er aber auch ein schlechtes Gewissen, denn woher stammt überhaupt sein Vermögen? Ja, wie kommen prominente Wohltäter überhaupt in die Lage, große Geldmengen zu spenden?

Slavoj Žižek, slowenischer Philosoph und Psychoanalytiker, hat dazu seine eigene Theorie. Er prägt den Begriff des liberalen Kommunisten und kritisiert damit Menschen wie Soros, Gates und von nun an auch Zuckerberg. Seiner These zufolge müssen Wohltäter logischerweise zunächst das Geld verdienen, bevor sie es verteilen können. Soros und Co. haben ihr Vermögen nur anhäufen können, so Žižek, indem sie skrupellose Geschäftsmänner waren, die durch Spekulationen und Geschäfte Armut, Missstände und Ungleichheiten in der Welt verstärken. Man denke bei Facebook an das Geschäft mit personenbezogenen Daten oder bei Microsoft an die schlechten Bedingungen, unter denen Menschen die Rohstoffe zur Chipherstellung in Mienen fördern. Ihr Gutmenschtum sei deshalb quasi nur eine Maske, um die wirtschaftliche Ausbeutung zu verstecken. Ihre Methode der privaten Unternehmensspende stellen sie außerdem als den effektivsten Weg dar, um Missstände zu beseitigen. Effektiver als die staatlichen Systeme, denen sie durch ihre Spenden Steuergelder entziehen, welche für sozial- und wohltätige Projekte verwendet werden würden. Den großen Philanthropen ginge es darum, ihrem Leben durch ihr Gutmenschtum einen tieferen Sinn zu geben, die Welt zu verändern, zu deren Elend sie laut Žižek selbst beigetragen haben.

Hat Žižek aber recht? Geht es den Wohltätern in erster Linie gar nicht darum, Gutes zu tun, sondern ihr schlechtes Handeln damit quasi zu neutralisieren? Wollen sie öffentlich einfach anders wahrgenommen werden, als spendabler Ritter auf dem weißen Ross und nicht als apokalyptischer Reiter? Zumindest eine Sache leuchtet ein: Um Vermögen zu verteilen, muss man zunächst Vermögen anhäufen. Gates, Soros und Zuckerberg waren und sind für ihre Methoden diesbezüglich viel in Kritik geraten und würden es sicherlich nicht ablehnen, etwas positive Berichterstattung zu erhalten.

Spenden für den guten Zweck ist nämlich sexy und bringt einen zumindest für kurze Zeit aus den Negativschlagzeilen, wenn die PR-Masche zieht. Generell ist es aber moralisch verwerflich, sich mit Hilfe der Armut anderer besserstellen zu wollen. Was genau hinter Zuckerbergs Entscheidung steckt, weiß wohl nur er selbst. Vielleicht sollte man schlussfolgernd sagen, dass es einem doch recht egal sein kann, ob Zuckerberg für seine Spendenankündigung viel positive PR bekommt, Hauptsache die wirklichen Probleme der Welt geraten nicht in Vergessenheit. Was meinen Sie? Kalkül oder ehrliches Wohltätertum?

Manuela Osiander

Manuela Osiander

Hat Internationale Beziehungen in den Niederlanden studiert und ist seit Oktober 2015 Trainee bei Maisberger. Dort betreut sie Themen wie Softwarelösungen und Clouds, aber auch Schriftdesign.
Manuela Osiander