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Wer sich für den Berufseinstieg in die PR interessiert, stellt schnell fest: Viele Wege führen nach Rom. Während Agenturen mit Volontariaten und Traineeships werben, hält die Profession angesichts einer zunehmenden Akademisierung vermehrt in universitäre Lehrpläne Einzug.

Dies wirft die Frage auf: Ist PR Handwerk oder doch eher Wissenschaft?

PR-Studiengänge: die Hintergründe verstehen

Seit einigen Jahren bieten deutsche Unis und Hochschulen vermehrt Studiengänge mit PR-Schwerpunkt an. Klassischerweise sind diese an den kommunikationswissenschaftlichen Instituten verortet und stellen meist eine fachspezifische Vertiefung auf Masterniveau dar. Aufgrund der starken Nachfrage sind die meisten dieser Studiengänge – zumindest hinsichtlich öffentlicher Hochschulen – zulassungsbeschränkt. Der Zugang zu einem Studienplatz ist also in der Regel an Kriterien wie beispielsweise Notendurchschnitt geknüpft.

Wenn du dich für ein PR-Studium entscheidest, näherst du dich dem Thema in der Regel aus verschiedenen Perspektiven.

Forschen:

Mittels Methoden der empirischen Sozialforschung untersuchst du Zusammenhänge und Muster in realweltlichen Kommunikationsgefügen. Du stellst Hypothesen auf, überprüfst diese und bringst so neues Wissen hervor. Typische Methoden sind zum Beispiel

  • Inhaltsanalysen (etwa von Pressemitteilungen in einer Unternehmenskrise),
  • Experimente (zum Beispiel zur persuasiven Wirkung von Advertorials) oder
  • Befragungen (beispielsweise zur journalistischen Wahrnehmung von PR-Akteuren).

Auch Methoden wie zum Beispiel qualitative Interviews, etwa zum beruflichen Selbstverständnis von PR-Verantwortlichen, kommen zum Einsatz.

Analysieren und Verstehen:

Darüber hinaus lernst du kommunikationswissenschaftliche Theorien und Modelle zu PR-Kontexten kennen, diskutierst und überprüfst sie. Es gibt zum Beispiel verschiedene Theorien der Krisenkommunikation wie

Diese beiden Ansätze kategorisieren das kommunikative Verhalten von Unternehmen in Krisensituationen. Theorien wie diese beschreiben und analysieren also existente Abläufe der Berufspraxis, wodurch sie weitergehend Empfehlungen zulassen.

Erfahren:

In praktischen Übungen, oft in Kooperation mit Unternehmen, erarbeitest du Konzepte und Lösungsvorschläge für reale Kommunikationsprobleme. In der Regel helfen dir im Lehrplan vorgesehene Praktika, erste Praxiseinblicke zu sammeln.

Durch diese Kombination aus verschiedenen Zugängen vermitteln PR-Studiengänge ein vielschichtiges Bild ihres Forschungsgegenstandes. Dabei befähigen sie Studierende, Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen sowie konkrete Kommunikationsgeschehnisse adäquat darin zu verorten.

Wie im universitären Kontext üblich, überwiegt dabei die Theorie stets die Praxis. Jedoch könnten beide nicht ohne einander: Die gelebte Praxis dient der der Wissenschaft als Untersuchungsobjekt und legitimiert so zugleich ihr Dasein. Andersherum speisen wissenschaftliche Erkenntnisse, beispielsweise hinsichtlich persuasiver Kommunikationsstrategien, die Praxis und verbessern ihr Wirken.

PR-Traineeship: selbst Hand anlegen

Doch der Zugang zum PR-Beruf ist offen: Auch Absolventen anderer Studiengänge oder Quereinsteiger können im Berufsfeld Fuß fassen. Gerade im Agenturumfeld ist es ziemlich üblich, dies über ein Traineeship oder Volontariat zu tun. Diese in der Regel auf 12 oder 24 Monate ausgelegte Ausbildungszeit vermittelt das tägliche Doing direkt am Arbeitsplatz.

Was auf den ersten Blick wie ein Sprung ins kalte Wasser wirken mag, ist der vielleicht effektivste Weg, das ganze Spektrum an Kommunikationsmaßnahmen kennenzulernen. Denn bei einer Agentur arbeitest du für verschiedene Kunden – und sie alle

  • bearbeiten eigene Themen,
  • senden unterschiedliche Botschaften und
  • adressieren spezielle Zielgruppen.

Indem du dies in jedem Einzelfall spezifisch berücksichtigst, sammelst du in kürzester Zeit eine Menge Erfahrung. Dabei kristallisieren sich ein paar Fähigkeiten heraus, die besonders wichtig sind:

  • Schreiben: Griffige Formulierungen zu finden, pfiffige Headlines zu entwerfen und Wesentliches prägnant auf den Punkt zu bringen, ist unser täglich Brot. Im Traineeship probierst du dich an unterschiedlichen Textformen und verfeinerst deinen Schreibstil.
  • Geschichten erzählen: In unserem Beruf geht es viel darum, komplexe Themen in packende Geschichten zu verwandeln. Storytelling lautet das Zauberwort. Das ist manchmal gar nicht so leicht, gerade wenn es um technisch anspruchsvolle Themen geht – doch genau hier gibt es viel zu erzählen!
  • Überzeugen: Pitchen hat nicht immer etwas mit Golf zu tun – das lernst du in einer PR-Agentur ziemlich schnell. In der Agentursprache bedeutet es, Journalisten die eigenen Themen vorzuschlagen und sie dafür zu begeistern. Dafür nehmen wir die journalistische Perspektive ein und bereiten potenzielle Geschichten spannend auf.
  • (Selbst-)Organisation und Projektmanagement: Diese Fähigkeiten erlernst du zugegebenermaßen auch im Rahmen eines Studiums. Im schnelllebigen Agenturalltag aber sind sie aber essentiell: Um in der Flut an E-Mails und Informationen nicht unterzugehen, ist es wichtig, zu priorisieren und den Überblick zu behalten.

Diese Kompetenzen bilden das Rüstzeug für die PR-Arbeit – ein Handwerk also, das sich zu einem gewissen Grad also erlernen lässt.

Fazit: Entweder oder? Und!

Ist PR nun also Handwerk oder Wissenschaft? Als Absolventin eines PR-Studiengangs und gegenwärtige Trainee bin ich der Ansicht: Anstelle des „oder“ sollte vielmehr ein „und“ treten.

PR ist Wissenschaft, denn ihr liegen komplexe Wirkungszusammenhänge zugrunde, die bestimmen, wie bestimmte Botschaften bei verschiedenen Zielgruppen ankommen und welche Effekte sie dort auslösen. Auch die Interaktion der Systeme Journalismus und PR, die Motive und das Selbstverständnis der darin handelnden Akteure oder die historische Entwicklung strategischer Kommunikation bedingen ein Erkenntnisinteresse. Diese Aspekte zu analysieren, zu ergründen und Schlüsse daraus abzuleiten, legitimieren die PR-Forschung als wissenschaftliche Disziplin.

Ein PR-Studium vermittelt ein Verständnis für komplexe Wirkprozesse

Zugleich ist sie aber auch Handwerk, das im Rahmen einer Ausbildung erlernt werden kann (und in irgendeiner Form praktisch geübt werden muss, um versiert darin zu werden). Ohne praktische Erfahrung und jede Menge Übung geht es nicht.

Ein Traineeship garantiert eine Menge Erfahrung

Die Wege in die PR sind also vielfältig, verschiedene Zugänge ergänzen einander. Wie du zum Ziel gelangst, hängt letztlich von der dir eigenen Art ab, dich einem Thema zu nähern – ob du dich lieber direkt in die Praxis begibst oder dich zunächst auf theoretischer Ebene mit den zugrundeliegenden Strukturen und Wirkmechanismen eines Gegenstandes befasst. Dies zeigt zugleich, wie vielfältig unsere Profession ist – und genau das macht sie so spannend.

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Ruth Karner

Ruth Karner

Account Executive bei Maisberger
hat nach dem Studium in Mainz und Lettland den Weg nach München gefunden und verstärkt seit April das Industrie-Team als Account Executive.
Ruth Karner