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Schlägt man heute eine Zeitschrift für Jugendliche und junge Erwachsene auf, wird man von Anglizismen überrannt: da geht es um Body & Soul, Beauty, Fashion, Sportswear und auf Bravo Online ist von den „coolsten Hacks zum Eierfärben“ die Rede (wobei ich hier gestehen muss, dass ich nicht genau weiß, was hier das Wort Hack eigentlich bedeuten soll).

Wohin man auch sieht, die Anglizismen nehmen weiterhin zu. Und daran wird viel Kritik geäußert – viele sind genervt, es bilden sich sogar Vereine zum Schutz der deutschen Sprache. Noch vor ein paar Monaten war ich absolut derselben Meinung. Mein Gedanke war, dass es für jedes englische Wort ein schönes deutsches Äquivalent gibt und die Leute nur deshalb Anglizismen verwenden, weil sie cool, wichtig und hip klingen möchten. Vielleicht habe ich mir deshalb schon seit vielen Jahren keine Zeitschrift mehr gekauft, denn bei diesen Texten, die vor Anglizismen nur so strotzen, verdrehe ich oft genervt die Augen.

Blogbeitrag Anglizismen_4

Auch Dennis und Brigitte arbeiten jeden Tag auf Deutsch und Englisch.

ABER! In meinen ersten Wochen hier in der Agentur musste ich auch öfters schmunzeln. Unser beruflicher Sprachgebrauch bei Maisberger schwirrt vor Anglizismen: es geht um Meetings, Calls, wir pitchen, machen Social Media und brainstormen was das Zeug hält. Wir arbeiten jeden Tag mit zwei Sprachen gleichzeitig. Und wir lieben die deutsche Sprache – sonst wären wir wahrscheinlich nicht in dieser Branche gelandet, in der wir auch sehr viel auf Deutsch schreiben müssen bzw. dürfen. Doch in manchen Fällen bietet es sich an, dass man englische Wörter verwendet, weil sie sehr viel treffender sind und wirklich in nur einem Wort das beschreiben, was man tut. Ein gutes Beispiel ist der Pitch: dabei wird einem Medium ein Artikel oder ein Interview angeboten. Im Deutschen ist das recht umständlich und hier weiß jeder, was unter einem Pitch verstanden wird. Teilweise ist es auch so, dass uns in einem bestimmten Moment das deutsche Wort einfach nicht einfallen will. Das kennt bestimmt jeder und in diesem Fall geht es schneller, wenn man das englische Wort verwendet bevor man ewig nachdenkt.

Und dann gibt es noch die Übersetzungen, die wir für unsere Kunden anfertigen. Sie stellen in den Bereichen HR, Industrie und IT eine wirkliche Herausforderung dar. Im Englischen kann man beispielsweise durch das Gerundium sehr lange und komplexe Sätze bilden – versucht man dasselbe im Deutschen, hat man am Schluss ein Satzwirrwarr, aus dem keiner mehr schlau wird. In den speziellen Bereichen, in denen wir arbeiten, gibt es Wörter, die man nicht übersetzen sollte. Ich bemühe mich immer, ein deutsches Äquivalent zu finden und manchmal funktioniert das: dann wird aus „primary storage“ der Primärspeicher und aus „data center“ das Rechenzentrum. Bei manchen Wörtern hingegen macht es Sinn, die englische Formulierung zu verwenden. Gibt es beispielsweise eine gute Übersetzung für Cloud Computing? Ich jedenfalls habe noch keine gesehen. Eine der größten Herausforderung einer guten Übersetzung besteht auch darin die Stimmung zu transportieren. Bei vielen englischen Wörtern verbirgt sich hinter der offensichtlichen Übersetzung noch ein Gefühl, eine Emotion oder ein Bild, das durch das deutsche Äquivalent nicht wiedergegeben werden kann – die deutsche Sprache kann manchmal ziemlich trocken sein. Hier zeigt sich der wahre Sprachkünstler, der es schafft, beim Leser dieselben Bilder im Kopf zu entwickeln und dieselben Emotionen zu wecken, die im englischen Original enthalten sind.

Anglizismen haben in unserer Branche und in den Branchen unserer Kunden nicht zu unterschätzende Vorteile. Sie sind Schlagworte, bei denen jeder ganz genau weiß, was gemeint ist. Sie vereinfachen die (internationale) Kommunikation und sparen Zeit.
Und ja, ich gebe es zu: manchmal fühlt man sich wie ein absoluter Experte, wenn man ein paar englische Wörter einbaut und findet es lustig, dass einen der Rest der Welt nicht mehr versteht.

Anna Erhardt

Anna Erhardt

Mein Name ist Anna Erhardt, ich komme aus dem Landkreis Augsburg und bin 24 Jahre alt. Ich habe Buchwissenschaft und Germanistik in Erlangen studiert und arbeite nun als Trainee im IT-Team. In meiner Freizeit bin ich am liebsten draußen in der Natur und treibe Sport oder lese.
Anna Erhardt