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Es war so sicher wie das Amen in der Kirche – nun ist er da: der nächste Fleischskandal!

Leckere Krankenhauskeime auf dem heimischen Grill“ titelt Hans Zippert in seiner Kolumne für Die Welt Online. Dort heißt es – leicht ironisch, wie ich zu behaupten wage:

„Man muss keine Krankenkassenkarte vorlegen, um an das angereicherte Grillfleisch zu kommen, es reicht die EC-Karte, aber auch Barzahlung ist möglich, und zwar sowohl für Kassen- als auch für Privatpatienten.“

Na, das klingt doch prima! Neben der erstmaligen Gleichberechtigung von Kassen- und Privatpatienten haben die „Kauf 2, zahl 1“-Rabatte nun auch noch ihren Höhepunkt gefunden: Einmal Grillfleisch kaufen, einmal antibiotikaresistente Krankenhauskeime kostenlos oben drauf. Sparen leicht gemacht, dachten sich auch die Sparfüchse, die damals Pferde zwischen die Lasagne-Blätter stapelten.

Wir Maisbergers haben mit Lebendtierhaltung nichts zu tun, aber mit Ernährung beschäftigen wir uns durchaus und berufsbedingt natürlich mit aktuellen Themen und News. Dazu gehört eben auch die Auseinandersetzung mit Lebensmittelskandalen.

Letztens beim Trainee-Afterwork: Salat mit Ziegenkäse, Nüssen und Sprossen.

Letztens beim Trainee-Afterwork: Salat mit Ziegenkäse, Nüssen und Sprossen.

Ich selbst esse kein Fleisch und habe einige Kolleginnen, die es ähnlich halten, aber vor allen Dingen sind hier alle sehr bewusste Nahrungsverwerter, wie ich finde. Oft genug lausche ich in der Mittagspause den Gesprächen zu Rezepten und Ernährung, niemand wird für seine Essgewohnheiten schräg angeschaut – Salat mit Sprossen ist am Mittagstisch genauso vertreten wie ein Döner vom Türken um die Ecke.

Ich bin kein Kreuzzug-Vegetarier. Ich mag es nicht, wenn Menschen, die kein Fleisch essen, anderen ihre Überzeugung aufzuzwingen versuchen. Genauso wenig möchte ich davon überzeugt werden, dass es sinnvoll für mich wäre, meinen Fleischkonsum wieder herzustellen. Seit über zehn Jahren verzichte ich auf Fleisch und es geht mir sehr gut damit. Die Fleischskandale zogen somit alle recht schmerzlos an mir vorbei – jedenfalls was deren Auswirkung auf mich betrifft. (Es sind übrigens weit mehr als ich dachte: Hier gibt es eine eindrucksvolle laufende Chronik aller Fleischskandale seit dem Jahr 2000.)

Burger geht auch ohne Fleisch.

Burger geht auch ohne Fleisch.

Was mir wichtig ist, ist die bewusste Auseinandersetzung mit dem, was wir zu uns nehmen. Fleisch zu essen ist sicherlich nicht verkehrt. Und ich kann verstehen, dass viele sich dafür entscheiden. Dennoch habe ich mich aus unterschiedlichen Gründen, die ich vor niemandem rechtfertigen möchte, dagegen entschieden. Aus persönlichen bzw. gesundheitlichen Gründen habe ich zudem angefangen, mich in meiner Freizeit zum Ernährungsexperten zu schulen. Mittlerweile finde ich, man sollte sich immer darüber im Klaren sein, wo die Dinge, die wir unserem Körper zuführen, her kommen. Und da gehören im Zweifel unschöne Wahrheiten zur Realität. Das gilt natürlich nicht nur fürs Fleisch.

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Soja Latte Macchiato mit Aussicht: Ein Schluck des heißen Zaubertranks, ein Blick aus dem Agentur-Fenster und der Blogbeitrag schreibt sich fast wie von allein.

Schön bei Maisberger ist, dass hier keiner den anderen dafür verurteilt, wie er isst und was er isst. Und davon abgesehen auch nicht dafür, wie er ist und was er ist. Das gefällt mir, denn ich kenne die Blicke, die mir ganz unverhohlen Verrücktheit unterstellen, wenn ich meine Haferflocken fürs Frühstück abwiege, über Chia-Samen philosophiere und von meiner mehr als zehnjährigen Fleischabstinenz berichte. Bei Maisberger ist das anders. Hier darf ich ganz befreit ein Ernährungs-Freak sein, trotzdem Kuchen essen und meinen „Maisburger“ neben den Kollegen mit ihrer „Fleischpflanzerl“ verspeisen – und zwar mit gutem Gewissen auf beiden Seiten. (Auch wenn ich nach wie vor nicht verstehe, was das Wort Pflanze in „Fleischpflanzerl“ zu suchen hat, aber mit den Besonderheiten der bayerischen Sprache beschäftige ich mich dann vielleicht beim nächsten Mal.) Bei Maisberger herrscht Interesse für die unterschiedlichsten Themen und vor allen Dingen viel Verständnis für die Eigenheiten der Kollegen, die als Bereicherung, nicht als Bedrohung gesehen werden. Darauf genehmige ich mir einen Latte Macchiato mit Sojamilch!