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In der Kreativbranche ist das so eine Sache: Nirgendwo hat man so viel Handlungsspielraum und so viel Gestaltungsfreiheit wie hier. Gleichzeitig verspürt man nirgendwo sonst einen solchen Druck, wenn dringend eine zündende Idee gefragt ist – sie einem aber einfach nicht in den Sinn kommen mag. Oder wenn ein Artikel in kürzester Zeit geschrieben werden muss, aber klare Gedanken und ein kreativer Ansatz fehlen.

Gerade im PR-Alltag finden wir uns häufig in Situationen wieder, in denen Kreativität auf Knopfdruck gefragt ist – aber ist das überhaupt möglich? Kann ein Mensch täglich ununterbrochen kreativ sein? Und wenn ja, woher nimmt er die Inspiration? Lässt sich Kreativität trainieren?

Coolness-Faktor Kreativität

Fakt ist: Kreativität ist heute gefragt wie nie, kreativ sein ist „in.“ Ob Agenturen – die sich kreativen Inhalten von Berufs wegen verschrieben haben – Unternehmen, Gastronomie oder Privatpersonen – alle möchten Kunden und Bekannte mit kreativen Inhalten begeistern. Es genügt schon allein, sich die steigende Zahl an Start-Ups anzusehen, die mit vermeintlich immer neuen und noch innovativeren Ideen den Markt zu erobern versuchen. Oder noch weiter gefasst die gesamte Hipster-Szene, die sich nicht nur in einer bestimmten Haltung, Musikrichtung und einem speziellen Kleidungsstil niederschlägt, sondern auch in der Gestaltung von Kneipen und Cafés – hier ist alles irgendwie außergewöhnlich, hip, anders,…kreativ eben. Handy-Apps wie Pinterest erfreuen sich heute großer Beliebtheit, weil sie uns eine Anleitung zum Kreativ sein geben – und dazu, uns mit Außergewöhnlichem selbstbewusst von der Masse abzuheben.

Eine Anleitung für kreatives Schaffen gibt es leider nicht immer. Kreativität setzt ja gerade voraus, dass wir uns frei machen von vorgefertigten Mustern und in neuen Zusammenhängen denken.

In der Wirtschaft versucht man, Kreativität mit einer ganz bestimmten Methode zu fördern: “Design Thinking“ wird mittlerweile den meisten ein Begriff sein. Von einer Innovationsagentur erdacht, unterstützt die Design-Thinking-Methode bei der Ideenfindung und richtet sich dabei klar auf die Bedürfnisse des Nutzers aus – eine Vorgehensweise, die sonst eben im Design-Bereich üblich ist.

Voller Einsatz ist gefragt

Was ist aber nun das Geheimrezept derjenigen, die in ihrem Beruf Tag für Tag kreative Leistungen erbringen müssen oder wollen? Bevor man das beantworten kann, sollte man zunächst verstanden haben, wie kreative Menschen arbeiten – und was es konkret bedeutet, „kreativ“ zu sein.

Kreativität hat viele Gesichter: Wer kreativ ist, betrachtet Dinge aus einem anderen Blickwinkel, stellt ungewohnte Zusammenhänge her, wählt eine unübliche Form der Darstellung oder erschafft schlichtweg etwas Neues – egal ob es sich dabei um ein Gemälde, einen Text, eine neue Geschäftsidee oder eine unkonventionelle Problemlösung handelt. Worauf es aber ankommt: Kreativ ist eine Idee oder ein Produkt erst dann, wenn es auch als positiv oder wertvoll erachtet wird – kreativ ist in einer PR-Agentur also der, dessen Ideen gut beim Kunden ankommen? Stimmt nicht ganz: Er ist es erst dann, wenn seine Ideen auch umsetzbar sind.

Kreativität bedeutet auch, dass wir Fantasie und Logik, Vorstellungskraft und folgerichtiges Denken miteinander verbinden – und unser Gehirn dabei ganzheitlich einsetzen. Beide Gehirnhälften sind hier gefragt: Das digitale, von Rationalität und Logik geprägte, Denken einerseits und das analoge und bildhafte Denken andererseits. Kein Wunder, dass es uns nicht immer leicht fällt, kreativ zu denken.

Gedanken kommen und gehen, ohne dass wir einen erheblichen Einfluss darauf nehmen können – und meistens fehlen uns die richtigen dann, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Nicht selten fallen uns Ideen ein, wenn wir gerade am Einschlafen sind, oder unter der Dusche.

Und das ist nicht verwunderlich, denn in diesen Momenten können wir uns entspannen – und damit auch unsere Gedanken lockern. Erster Tipp also, um den kreativen Gedankenfluss anzuregen: Lernen, sich bewusst zu entspannen und loszulassen, um den Kopf frei zu schaffen für neue Einfälle. Regelmäßige Arbeitspausen sind wichtig!

4 Methoden zu mehr Kreativität

Dass wir stets im richtigen Moment den richtigen Gedanken haben, ist nie garantiert. Und trotzdem gibt es Methoden, mit denen wir der eigenen Kreativität auf die Sprünge helfen können – denn es ist bewiesen, dass sie in jedem von uns schlummert. Redakteur Bar Kast von Der Tagesspiegel hat einige, selbst getestete, Strategien gesammelt – nachdem er zwei Jahre lang zum Thema Kreativität geforscht hat:

  1. Das Gehirn mit Ungewöhnlichem konfrontieren

Nur wie? Es genügt schon allein, ab und an aus der Alltagsroutine auszubrechen – und zum Beispiel mal das Fahrrad zu nehmen statt die U-Bahn, oder einen anderen Weg zu fahren als sonst. Auch das Lesen eines neuen Buchs oder einer unbekannten Zeitung kann dabei helfen, sich für das Ungewohnte zu öffnen und damit kreativer zu werden.

  1. Ins Ausland gehen und eine Fremdsprache lernen

Im Ausland braucht es nicht mehr, als einen Schritt vor die Tür zu setzten, um Ungewohntes zu erleben – und damit seine Wahrnehmung und sein Denken zu stimulieren. Auch die fremde Sprache beeinflusst unser Denken auf positive Weise und kann dazu beitragen, unsere Gedanken zu lockern. Tatsächlich schneiden Menschen, die länger im Ausland gelebt haben, in Kreativitätstests besser ab als andere, wie Adam Galinsky von der Columbia University zeigt.

  1. Brainstorming? Nicht so gut wie sein Ruf

Wenn ein Team gemeinsame Ideen sucht, ist die erste Herangehensweise meist: Ein Meeting zum Brainstorming einzuberufen. Dabei haben zahlreiche Studien längst bewiesen, dass diese Methode wenig effektiv ist und Menschen alleine oftmals auf mehr und bessere Gedanken kommen als in der Gruppe. Grundsätzlich gilt: Wenn Brainstorming, dann mit einem Moderator, der für einen produktiven Gedankenaustausch sorgt.

  1. Freude am Austausch in der Gruppe

Kreativität, vor allem in der Gruppe, gründet auf einem gelungenen, zwischenmenschlichen Austausch – denn erst dann, ist das Team mehr als nur die Summer der Einzelnen und in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ja, ich nehme gerne auch mal das Fahrrad zur Abwechslung und ja, ich war bereits mehrmals im Ausland und habe gleich mehrere Fremdsprache gelernt. Ich tausche mich gerne mit meinen Kollegen aus, mache mir aber auch in Ruhe meine eigenen Gedanken. Und trotzdem gibt es Kreativitätsflauten in meiner täglichen Arbeit…ein Trost bleibt mir immerhin: In der Forschung besagt die „Zehn-Jahres-Regel“, dass im Schnitt rund zehn Jahre intensiver Einarbeitung nötig sind, um es in einer Branche zur kreativen Könnerschaft zu bringen – na dann bleibt mir ja noch etwas Zeit!

Kreativität „auf Kommando“ – ist das auch in Eurem Job gefragt? Und wenn ja, wie geht Ihr mit solchen Situationen um? Ich freue mich über Eure Kommentare!

Sophia Gese

Sophia Gese

Sophia Gese kommt aus Würzburg und absolvierte ihr Bachelor- und Masterstudium an der Universität Regensburg. Anfang 2016 schloss sie dort ihren deutsch-französischen Master „Interkulturelle Europastudien“ ab. Seit einem Monat arbeitet Sophia als Trainee bei Maisberger und unterstützt das IT-Team bei Themen wie Business Intelligence, Cloud Computing und Cyber-Security
Sophia Gese