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Anwendervideos gehören neben Referenzgeschichten, auch Case Studies genannt (übrigens eine der wichtigsten Textgattungen in der B2B-Kommunikation) zu den beliebtesten Möglichkeiten, ein Fallbeispiel aufzubereiten. Da sie unmittelbare Einblicke in den Anwenderalltag geben, können sich potenzielle Kunden viel besser vorstellen, wie ein Produkt in der Praxis tatsächlich funktioniert. Ein solches Projekt erfordert viel Planung, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Der Auftrag kam an einem heißen Augustnachmittag, als ein Kunde uns bat, ihn bei einem Anwendervideo zu unterstützen. Am Anfang eines solchen Projekts stehen zunächst einige Planungsfragen: Welchen Dienstleister schlagen wir für das Projekt vor? Wie viel kostet der Dreh? Und wann soll das ganze stattfinden?

First Steps und Koordination

Am Anfang stand ein erster Input-Call mit dem Referenzkunden – also dem Unternehmen, anhand dessen wir die Leistung unseres Kunden aufzeigen dürfen. Ein solches Telefonat hat einen zweifachen Nutzen, denn die hierbei gesammelten Informationen dienen als Basis für

  • die schriftliche Referenz
  • und das Anwendervideo.

Die nächsten Schritte gestalteten sich recht theoretisch. So holten wir zunächst verschiedene Angebote unserer Partner im Bereich der Videoproduktion ein und bereiteten sie für unseren Kunden auf. Mit dem Filmteam an Bord ging es schließlich an die Erstellung eines Storyboards, das den Ablauf des geplanten Films skizzieren sollte. Auch detaillierte Briefing-Dokumente konzipierten wir – schließlich muss allen Beteiligten klar sein, welche Botschaften das Referenzvideo am Ende vermitteln will. Außerdem bereiten solche Dokumente die Beteiligten auf den Dreh vor.

Bei Maisberger sitzen wir also an der Schnittstelle: Als Berater koordinieren wir Kommunikation und Vorgehen zwischen

  • Dienstleister,
  • Referenzkunden
  • und unserem eigentlichen Kunden, in diesem Fall dem Hersteller.

Nachdem alle relevanten Absprachen getroffen waren, saß ich Ende September schließlich im Zug Richtung Thüringen. Morgen sollte es also tatsächlich losgehen – ein wenig nervös war ich schon, während ich zum wiederholten Male Briefings uns Storyboard durchging.

Der große Tag – vor Ort beim Videodreh

Und dann war es so weit: Am nächsten Morgen fand ich mich am nahegelegenen Firmengelände ein, wo ich das Filmteam und unsere Ansprechpartnerin traf. Zu viert machten wir uns auf, das weitläufige Werksgelände zu besichtigen, um die finalen Drehorte festzulegen. Dabei ging es auch in die Fertigung, wo die mobilen Roboter – die eigentlichen Stars des Tages – ihre Arbeit verrichten.

Doch eine Werkshalle betritt man nicht einfach so: Schwere Stahlkappenschuhe sind aus Sicherheitsgründen auch für Besucher Pflicht. Entsprechend ausgerüstet stolperten wir schließlich in die laute Betriebsamkeit der ratternden Fertigungsanlagen, an denen Werksmitarbeiter emsig Teile verschraubten und Hebel bewegten.

Von der Theorie in die Praxis

Und dann sah ich sie: zwei kleine weiße Transportroboter, die behände schwere Kisten mit Material hinter sich herzogen. Auf eigene Faust fuhren sie blinkend und piepsend durch die Gänge, manövrierten, stoppten, manövrierten wieder, und schienen ganz in ihre Aufträge vertieft. Etwas, über das ich schon so viel gelesen und geschrieben hatte, einmal live und in Farbe zu sehen, übte einen ganz eigenen Reiz aus. Doch zunächst standen die Interviews auf dem Plan. Hierfür hatten sich zwei Mitarbeiter aus der Montage bereiterklärt und vorbereitet. Die passenden Locations auszumachen, war gar nicht so leicht: Ruhig sollte es sein, und dennoch einen Eindruck vom täglichen Arbeitsumfeld vermitteln.

Die Tücken des Interviews

Das erste Interview drehten wir schließlich auf einem kleinen Hügel vor der Fertigungshalle. Das Licht fiel gut, Werksgebäude und Firmenlogo waren im Hintergrund zu sehen. Doch ich habe gelernt: Vieles kann ein scheinbar einfaches Interview erschweren.

Mal vergisst der Sprecher seinen Text, mal verhaspelt er sich – ganz normal und nicht dramatisch. Dann läuft es einmal richtig gut, alle Beteiligten freuen sich, doch just in diesem Moment landet eine Fliege auf dem Hemd des Gefilmten, rumpelt ein lauter LKW um die Ecke, klingelt ein Handy. Einmal öffnete jemand ein Fenster im Hintergrund (beim Zusammenschnitt mehrerer Szenen erkennbar), einmal begann ein Radio zu dudeln. Auch bei der zweiten Gesprächssituation, für die wir einen Werksraum gewählt hatten, brauchte es ein paar Anläufe. Doch Wiederholungen sind bei einem Videodreh normal, und mit Geduld und Genauigkeit lassen sich auch solche Widrigkeiten meistern.

Anschließend ging es daran, Einstellungen der Roboter in Aktion einzufangen. Aus allen Blickwinkeln inszenierten wir die kleinen Maschinen bei verschiedensten Aufgaben. Während das Filmteam drehte, sammelte ich außerdem Eindrücke für den noch ausstehenden Anwenderbericht. Mit Klemmbrett vor der Brust und Kuli im Anschlag, observierte ich die Abläufe an den Montagelinien, prägte mir die Routen der Roboter ein und ließ mir die Funktionsweise einiger Anlagen erklären.

Nach dem Dreh ist vor dem Text

Nachdem ich unter den Mitarbeitern ein paar letzte Zitate gesammelt hatte, war es Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Zurück im Büro gilt es nun, zu rekapitulieren, denn neben den noch ausstehenden Abstimmungen zum Film folgt nun die Verschriftlichung des Anwenderberichts. Der Drehtag wird mir dabei auf jeden Fall helfen – und auch darüber hinaus noch lange im Gedächtnis bleiben.

 

Beispiele für Anwendervideos

Auch für das Employer Branding sind Videos ein wichtiges Medium

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Ruth Karner

Ruth Karner

Account Executive bei Maisberger
hat nach dem Studium in Mainz und Lettland den Weg nach München gefunden und verstärkt seit April das Industrie-Team als Account Executive.
Ruth Karner