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Vom Romanisten zum PR-Berater: Wozu Fremdsprachen in der Öffentlichkeitsarbeit gut sind (Teil 2)

Als Studentin der Romanistik gestartet, als Trainee in einer PR-Agentur gelandet: So könnte man meinen Werdegang von der Uni bis heute in groben Zügen beschreiben – soweit, so gut. Warum aber hat es mich als Fremdsprachenstudentin ausgerechnet in die PR gezogen, wo man ja vermeintlich erst einmal nichts anderes als seine Muttersprache können muss? Einige gute Gründe für diese Entscheidung konntet ihr in meinem letzten Blogbeitrag lesen – einige weitere möchte ich heute mit euch teilen…

Texte: So weit das Auge reicht

Das ist schon ein erstaunliches Phänomen, wenn man durch die Büroräume einer PR-Agentur schlendert: Überall, wo man hinblickt, flimmern auf den Bildschirmen Textdokumente – ein Meer aus Buchstaben, wie es mir oft erscheint. Und es ist wahr: Ob Fachartikel, Meinungsbeiträge, Pressemitteilungen oder Case Studies – PR-Berater beschäftigen sich zu einem Großteil ihrer Zeit mit Texten. Gut, daneben gilt es außerdem, Kundenanrufe entgegenzunehmen, Interviews und Events zu planen oder sich um die Social Media-Kanäle zu kümmern. Aber ein ganz wichtiger Teil der Arbeit besteht schlichtweg darin, Texte zu schreiben, zu übersetzen oder zu redigieren.

Eine ausgewogene Mischung aus Logik und Kreativität sind gefragt, damit gute Texte gelingen. Seinen Gedanken und Ideen ohne Punkt und Komma freien Lauf zu lassen verspricht ebenso wenig Erfolg, wie sich stur an steifen, vorgefertigten Textmustern entlangzuhangeln. Fremdsprachenstudenten, deren Studium ohne die Recherche und Produktion von Textmaterial keinen Sinn mehr machen würde, wissen vermutlich, wovon ich spreche. Tatsächlich zeichnen sie sich vor allem durch genau dieses Zusammenspiel von logischem Denken und kreativem Schaffen aus. Erst mit dem Beherrschen der Grammatik, die auf strengen Regeln gründet, können zusammenhängende Texte verstanden werden. Und auch erst dann ist man in der Lage, kreativ zu werden und selbst Hand anzulegen.

Wer Englisch spricht, ist klar im Vorteil

Zugegeben: Es stellt sich schon hin und wieder eine gewisse Enttäuschung ein, wenn man als leidenschaftliche Verfechterin des Italienischen und Französischen im Arbeitsalltag nicht einmal ein „Ciao“ oder „Bonjour“ in den Mund nimmt. Zwar kommunizieren wir Tag für Tag mit internationalen Kunden – nur eben nicht in den romanischen Sprachen. Englisch ist und bleibt die Welt- und Geschäftssprache und steht im Agenturalltag, auch bei Maisberger, an erster Stelle – ob bei Kundenmeetings, der Beantwortung von E-Mails oder der Übersetzung von Pressemitteilungen. Wer Anglistik oder ähnliches studiert hat, wird in einer PR-Agentur mit Sicherheit nicht zu kurz kommen.

Das fängt schon damit an, dass selbst die deutschen Mitarbeiter in der alltäglichen Kommunikation mit so vielen Anglizismen um sich werfen, dass einem im ersten Moment schwindelig wird: Wer am Nachmittag mit einem Kunden zu einem Telefontermin verabredet ist, der wird diesen sicherlich nicht als solchen, sondern vielmehr als „Call“ in seinen Terminkalender eintragen. Darin geht es dann nicht darum, mehr Informationen etwa für einen anstehenden Artikel, sondern mehr „Input“ oder „Content“ zu erhalten. Und wer dem Sprecher eines Unternehmens vor einem Interview einige Hintergrundfakten zum Journalisten geben möchte, tut dies gerne in Form eines „Briefing Docs“. Diese Bürosprache, ein aufregender Mix aus Deutsch und Englisch, mag in den Ohren eines puren Anfängers zunächst etwas eigenartig klingen, wird aber schneller als man anfangs denkt zur Gewohnheit.

Zur höheren Kunst des Englischen gehört da schon die Kommunikation mit den Kunden selbst – und das nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich. Täglich warten mehrere englische E-Mails darauf, geschrieben zu werden und englische Pressemitteilungen oder Artikel darauf, übersetzt zu werden. Nebenbei kommt es nicht selten vor, dass englische Telefonate mit Kunden geführt werden, um Rückfragen zu klären, neuen Input zu erhalten oder die bevorstehende Kampagne zu besprechen. Und in größeren, aber regelmäßigen Abständen finden persönliche Meetings mit den Kunden statt, in denen Rückblicke und Pläne für die einzelnen Quartale diskutiert werden – auch das alles auf Englisch, versteht sich. Doch was ich anfangs noch als große Herausforderung empfand, verbinde ich heute vor allem mit Abwechslung und Spaß – irgendwo macht sich die Leidenschaft für Fremdsprachen im Alltag dann eben doch noch bemerkbar.

Die Möglichkeiten, sich als Absolvent eines Fremdsprachenstudiums in einer PR-Agentur zu verwirklichen und seine Fähigkeiten in die alltägliche Arbeit einzubringen, sind vielfältig. Selbst ich, die sich eigentlich den romanischen Sprachen verschrieben hat und das Englische eher „so nebenher“ studiert hat, kann sagen: Ich habe mein Traineeship in keinem Moment bereut – das habe ich zu einem nicht unwesentlichen Teil meinem lieben Maisberger-Team zu verdanken, das mir stets mit Rat und Tat zur Seite steht. Mein Tipp deshalb an alle Fremdsprachenstudenten, die sich mit der Frage „Und wie geht’s danach weiter?“ quälen: Probiert’s mal mit PR!

Haben auch Sie etwas vermeintlich „Fachfremdes“ studiert? Und wie bringen Sie Ihr Uni-Wissen heute in der PR ein? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Mit Fremdsprachen in die PR? Mais bien sûr!

Es gibt da eine bestimmte Sorte von Uni-Absolventen. Studenten, die aus Liebe zu einer Sprache oder Kultur ein Fremdsprachenstudium absolviert haben, ohne dabei ein bestimmtes Berufsbild vor Augen zu haben. Ich selbst gehöre dazu. Lehrer? Übersetzer? Dolmetscher? Irgendwie war das alles nichts für mich. Ich entschied mich für PR! (mehr …)