qooly

Gruppendynamik im Büroalltag aus sozialpsychologischer Sicht

Entspricht das Bild, das du aufgrund von Employer Branding vom Wunsch-Arbeitgeber hast auch der Realität? Herrscht in dem Unternehmen, bei dem du dich bewerben möchtest, eine gute Gruppendynamik?  Wir verraten dir, wie sich Gruppenstrukturen bilden und wie negative Gruppendynamik in der Belegschaft Mobbing begünstigt. Außerdem erfährst du, wie du einen Arbeitgeber findest, bei dem „Wohlfühlatmosphäre und flache Hierarchien“ nicht nur leere Versprechen sind.

Wie kommt es zur Gruppenbildung?

Um diese Frage zu klären, können Ansätze der Sozialpsychologie herangezogen werden. Nehmen wir beispielsweise an, dass all unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten das Ergebnis direkter oder indirekter Beeinflussung durch andere sind.

Daraus können wir schlussfolgern, dass sich unvermeidlich Gruppendynamiken ergeben, sobald wir in irgendeiner Form mit anderen interagieren. Als Gruppe wird ein Zusammenschluss bezeichnet, bei dem zwei oder mehrere Mitglieder gleiche Ziele verfolgen und außerdem zur Gruppe dazu gehören wollen. Über kurz oder lang bilden sich dann interne Hierarchien und Gruppenrollen heraus: Besonders gut sichtbar sind solche Gruppenstrukturen beispielsweise bei Schulklassen, Familien oder eben in der Belegschaft.

Die Gruppe der Arbeitskollegen & die Gefahr von Mobbing

Im Arbeitsumfeld lassen sich Ziele, die eine Gruppe zusammenschweißen, meist deutlich definieren: Aufmerksamkeit für das Unternehmen schaffen, Kundenzufriedenheit erhöhen oder Profit steigern. Oft teilen sich Mitarbeiter in kleine Teams oder Abteilungen mit jeweils eigener, hierarchischer Ordnung auf. Je stabiler die Ziele einer Gruppe sind, desto größer ist der Gruppenzusammenhalt.

Ziehen in einem Unternehmen nicht alle am selben Strang kann es aber auf lange Sicht zu Abgrenzung und starkem Konkurrenzdenken, Exklusion und Mobbing und Verstärken von Hierarchien und Machtverhältnissen führen.

Jeder dritte Deutsche hat schon Mobbing erfahren. Besonders konkurrenzorientierte Firmenstrukturen mit starken Hierarchien dienen als Nistplatz für Diskriminierung.

Quelle:FAZ

 

Diese Resultate einer weniger gut funktionierenden Gruppendynamik werfen die Frage auf: Wie findest du heraus, ob in einem Unternehmen harmonische oder disharmonische Strukturen vorherrschen?

Die Suche nach dem Wohlfühl-Unternehmen

Dass Belegschaften, in denen eine gute Gruppendynamik herrscht, besser arbeiten, zufriedener sind und das dem Unternehmen zugutekommt, ist nicht erst seit gestern bekannt. Viele Firmen legen deshalb Wert auf die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter – derlei Strategien werden unter dem Überbegriff Employer Branding zusammengefasst.

Mit diesem Wissen um Gruppenprozesse und Employer Branding kannst du jetzt herausfinden, ob hinter einer verheißungsvollen Stellenausschreibung auch ein Arbeitgeber steckt, der hält was er verspricht. Dazu ist ein bisschen Detektivarbeit gefragt: Da Employer Branding selten offen angepriesen wird, sondern unterschwellig im Subtext mitschwingt, musst du dich aktiv in das Setting des Unternehmens einarbeiten. Was gibt es dabei zu beachten?

  • Homepage: Die erste Anlaufstelle für deine Recherche. Wie präsentiert sich die Firma? Welchen Eindruck macht die Homepage auf dich?
  • Blogs, Social Media: Ebenso wie die Homepage können dir auch andere Kanäle des Arbeitgebers bei deiner Einschätzung helfen. Behalte dabei im Hinterkopf, dass diese vom Unternehmen selbst geführt werden und deshalb ausschließlich positive Aspekte zu finden sein werden.
  • Metakommunikation: Was schreiben andere über das Unternehmen? Du kannst gezielt nach Foren suchen, in denen Trainees oder ehemalige Arbeitnehmer von ihren Erfahrungen berichten. Diese Aussagen können dir die Einschätzung erleichtern. Oft gibt es als Ergänzung auch ein Punkte- oder Sternesystem, das dir veranschaulicht, wie ein Unternehmen insgesamt abschneidet. Einen guten Anlaufpunkt bietet die Plattform kununu.
  • Bekanntenkreis: Möchtest du dich bei einer größeren Firma bewerben, ist es nicht unwahrscheinlich, dass jemand in deinem erweiterten Umfeld bereits dort arbeitet. Du kannst ein wenig rumfragen – Die Cousine des Schwagers deiner Schwester weiß vielleicht mehr. 😉

Was ist der nächste Schritt, sobald du bei deinen Nachforschungen Lob und Kritik zusammengetragen hast? Wichtig ist, dass du reflektiert mit den Angaben umgehst, die du gefunden hast. Sind die Aussagen verlässlich? Kommen sie aus internen Unternehmensquellen oder stammen sie von außerhalb?

Anschließend kannst du überlegen, welche Informationen für dich wichtig und bedeutsam sind und sie beispielsweise in einer Pro-und-Contra-Liste mit deinen Rechercheergebnissen abgleichen. Findest du heraus, dass die positiven Punkte überwiegen und du dich bei dem Unternehmen bewerben möchtest, kannst du deine Vorarbeit auch kreativ in deine Bewerbung einbauen: Zeig dem Unternehmen, dass du dich mit seinen Werten und Inhalten beschäftigt hast. Wirst du zu einem Gespräch eingeladen, wird dir gegen Ende des Jobinterviews bestimmt die Chance geboten, Fragen zu stellen. Hier kannst du kritische Punkte oder Unklarheiten ansprechen – damit du nach der ganzen Vorarbeit einen wirklich runden Eindruck deines zukünftigen Arbeitsumfeldes hast.

Du hast noch weitere Tipps und Tricks zur Recherche, mit denen gute Gruppendynamiken und Employer Branding sichtbar werden? Erzähl uns gern davon.