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Lea Ziegler

Lea Ziegler

hat Anglistik, Kunstgeschichte und Vergleichende Kulturwissenschaft studiert. Sie legt gerade zwischen Bachelor und Master einen Stop bei Maisberger ein und unterstützt als Praktikantin das IT-Team.
Lea Ziegler

Mir Meinungen zu bilden zu Themen, mit denen ich mich noch nie beschäftigt hatte, komplexe, abstrakte Konzepte erarbeiten, Artikel aus sämtlichen Themengebieten übersetzen und sich bei all dem korrekt auszudrücken – das habe ich im Anglistik-Studium gelernt. Frisch von der Uni kommend fühlte ich mich gerade in Sachen Übersetzen fit. Wie ich schon in meinem letzten Blogbeitrag berichtet habe, ist ein Anglistik-Studium zwar eine gute Basis, aber längst keine Garantie für die perfekte Übersetzung – Die PR hat ihre ganz eigenen Anforderungen. Eine davon heißt Twitter.

Da Tweets mittlerweile genauso zur PR gehören wie Pressemitteilungen oder Meinungsbeiträge, gibt es auch da hin und wieder Bedarf an Übersetzungen und die können in mehrerlei Hinsicht eine richtige Herausforderung darstellen. Klar, Sprachpraxis- und Linguistik-Seminare geben dem Übersetzer hilfreiches Wissen über die englische Sprache an die Hand, eine Anleitung, beim Übersetzen eine bestimmte Zeichenzahl einzuhalten – genauer genommen 140 – ohne dass die sprachliche Qualität darunter leidet, allerdings nicht.

Das Twitter-Dilemma

  • Das Englische schafft es durch Partizipial- oder Infinitivkonstruktionen oft, mit wenigen Wörtern auszukommen. Im Deutschen gibt man diese am besten mit Relativ- oder Adverbialsätzen wider. Die aber machen 140 Zeichen oft scheinbar unmöglich. Auch die typisch deutschen Komposita alla „Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft“ fressen 140 Zeichen wie nichts.
  • Oben drauf gibt es dann noch Hashtags: Die müssen in übersetzter Version gängig sein – auch, wenn sie im Text eingebettet sind. Hier machen die deutschen Komposita und die Flexion von Substantiven oft ebenso einen Strich durch die Rechnung. Wenn aus #security standards #Sicherheitsstandards wird oder aus the use of the #Internet der Gebrauch des #Internets wird, verfehlt der Hashtag seinen Zweck, möglichst viele Twitter-User zu der Botschaft zu lenken.
  • Außerdem gilt es letzten Endes nicht nur, den Inhalt eines englischen Tweets zu treffen, sondern den auch knackig zu verpacken. Denn wer will schon den angepriesenen Text lesen, wenn bereits der Teaser – schon wieder so ein Wort, das sich nicht gut übersetzen lässt – holprig oder kompliziert klingt?

Das Twitter-Dilemma in seiner Gänze wird bei diesem Beispiel deutlich:

Englisch

Currently emerging #security threats moving faster than defences is a big concern for businesses.

– 96 Zeichen

Deutsch

Dass sich #Sicherheitsbedrohungen, die im Moment entstehen, schneller entwickeln als Abwehrsysteme, stellt für Unternehmen eine große Besorgnis dar.

– 130 Zeichen, schrecklich kompliziert und dann fehlt noch der Link

140 Zeichen inklusive sinnvoller Hashtags mit einer guten wörtlichen Übersetzung zu vereinen, ist nicht immer ganz einfach. Um über englische Tweets Herr zu werden, ist man also gut beraten, wenn man sich nicht zu sehr an den Originaltext klammert. Denn, wie ich schon in meinem letzten Blogbeitrag festgestellt habe, können Sprachen eben nicht immer genau das Gleiche sagen – schon gar nicht in nur 140 Zeichen.