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Patrick Seidel

Patrick Seidel

Schreibt zur Entspannung Blogbeiträge über Roboter, Software und Co. und geht klettern. Hat Übersetzung und International Marketing Communications in Ingolstadt, London und Poitiers studiert. Seit Februar 2016 verstärkt er das Maisberger Industrie-Team als Trainee.
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Letzte Woche hat mein Kollege Johannes Lossack bereits anschaulich erklärt, warum Video Storytelling, insbesondere Online Videos, so wichtig sind. Wie angekündigt, dreht sich unser heutiger Blogbeitrag rund um das Thema gute VS. schlechte Unternehmensfilme. Eingangs sei erwähnt, dass wir in dieser Gegenüberstellung nur Unternehmensfilme betrachtet haben, die darauf abzielen, das Image eines Unternehmens darzustellen. Neben diesen reinen Imagefilmen gibt es nämlich auch noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, wie Unternehmen im Bewegtbildformat mit ihren Zielgruppen kommunizieren können.

Mit der nachfolgenden Auflistung möchte ich an praktischen Beispielen aufzeigen, warum bestimmte Unternehmensfilme besser funktionieren als andere. Die Videos werde ich NICHT in eine bestimmte Rangliste bringen, da Geschmack sehr subjektiv ist. Manche Leser werden also mehr von einem Video angesprochen als ich. Um auch den Typ des Unternehmensfilms noch weiter einzugrenzen, beinhalte ich in diesem Beitrag nur Filme, die darauf abzielen, neue Bewerber anzulocken. Darin enthalten sollen sowohl Praktikanten, als auch Fachkräfte, sein.

Genug der vielen Worte, ich sage: „Licht aus, Ton an, Film ab!“

Eine Stelle bitte – Recruiting Videos, die überzeugen

Google – Interns‘ first week

Mit diesem Unternehmensvideo erlebt der Zuschauer die erste Woche von frischen Praktikanten in verschiedenen Abteilungen von Google mit. Natürlich könnte man vermuten, dass eine Stellenausschreibung von Google alleine schon reicht, um tausende interessierte Bewerber anzulocken. Dennoch hat das Unternehmen hinter der Suchmaschine ein Video produziert, das die Zielgruppe anspricht. Der Zuschauer kann nämlich denjenigen, die schon einen Schritt weiter sind (angenommene Praktikanten bei Google), in deren erster Woche über die Schulter schauen. Die zukünftigen Bewerber identifizieren sich ganz klar mit den im Video gezeigten Personen, da diese ebenfalls aus der Zielgruppe „Bewerber“ stammen. Noch dazu beweihräuchert sich Google nicht selbst, sondern lässt die Zielgruppe reden. Dies steigert die Glaubhaftigkeit, denn Eigenlob stinkt ja bekanntermaßen.

Nicht nur cool im Film #prakticom - Die @google Praktikanten begleiten #storytelling Klick um zu Tweeten

Barclay’s Corporate Recruitment Video

Überraschend humoristisch geht Barclay’s an Recruiting Maßnahmen heran. Immerhin ist das Unternehmen eine Bank und daher in einem eher konservativen Geschäftsfeld tätig. Dennoch wird klar, dass das Unternehmen keine Durchschnittsabsolventen anwerben möchte, sondern die Creme-de-la-Creme der Jahrgänge und erfolgreiche Experten. Angenehm ist auch die Länge des Videos, bei einer Minute fängt der Zuschauer nicht an, sich zu langweilen.

Gekidnappt von @Barclays? Vom Fleck weg engagiert dank gutem Video #storytelling. Klick um zu Tweeten

Video Storytelling auf dem Holzweg – oder doch nicht?

Fiverr – Another generic recruitment Video

Wie der Titel schon sagt, handelt es sich bei diesem Video um einfach nur noch ein weiteres, total langweiliges Video, um Bewerber anzusprechen. Aber ist das Video wirklich so abgedroschen? Hört man auf den Sprecher wird schnell klar, dass dieser Film doch nicht so langweilig ist, wie der Titel und die ersten paar Szenen suggerieren. Er beschreibt nämlich, was der Zuschauer im Video sehen kann. „Das sind Türen zu einem Gebäude, die in ein Büro führen. Genauer gesagt auf einen Gang, wo Menschen zu sehen sind, die miteinander irgendwohin gehen und sich dabei unterhalten. Das bedeutet vermutlich, dass sie sehr beschäftig sind.“ Er beschreibt also die generischen Szenen und nutzt dabei vollkommen unverhohlen eine gute Prise Ironie.

Zum Ende resigniert der Sprecher und stellt klar, dass dieses Video in jedem X-beliebigen Unternehmen gedreht hätte werden können. In knapp 30 Sekunden beschreibt er ganz genau, wen Fiverr ansprechen möchte. „Wenn du gut bist, kannst du überall arbeiten, wenn du der beste in deinem Berufsfeld bist, komm und arbeite bei Fiverr. Wir suchen Menschen, die danach streben, „awesome“ zu bleiben“ – wie der coole Typ auf dem Longboard.

Mit Ironie und Witz passende Bewerber ansprechen? Video #storytelling auf Abwegen Klick um zu Tweeten

Twitter: At Twitter, the future is You!

Mit diesem Recruiting-Video bedient Twitter so gut wie alle Negativbeispiele, die man sich beim Video Storytelling nur vorstellen kan. Und erfindet dabei sogar noch einige dazu. Unauthentische Darbietungen der Laiendarsteller, altbackene Fonts, unvorbereitete Mitarbeiter, die „mal eben“ gefilmt werden. Ganz zu schweigen von schlechten Schnitten (teilweise sieht man die Film-Crew) und völlig falschen Jobbeschreibungen (Stichwort Backend Developer).

Dieses Video soll Bewerber ansprechen und sie davon überzeugen, dass Twitter ein toller Arbeitgeber ist mit dessen Mission sie sich identifizieren können. Doch seien wir ehrlich: bringt Twitter das mit diesem Video wirklich rüber? Was sagen denn die Kommentare und Bewerbungen unter dem Video?

Video Storytelling auf Abwegen, mit Ironie und Witz Bewerber ansprechen Worauf stehen Bewerber? Video Storytelling gepaart mit Witz & IronieVideo Storytelling kombiniert mit Ironie spricht Bewerber an

Und so geht es noch ein gutes Stück weiter. Obwohl Twitter also komplett in die entgegengesetzte Richtung zu herkömmlichen Videos geht, sind die Zuschauer amüsiert vom amateurhaften Stil des Videos. Noch etwas Wichtiges zeigt das Video: Das Persiflagen Hafte an diesem Beitrag wird von den meisten (allen?) Zuschauern erkannt und verstanden. Somit dreht sich der Negativeffekt des Videos um. Soviel „Schmarrn“ bleibt einfach im Kopf und man MUSS sich das Unternehmen auf der Website einmal selbst ansehen.

Abgedroschen, lahm - und trotzdem Bewerber gewinnen? Paradoxon im Video #storytelling. Klick um zu Tweeten

Hier zeigt sich auch eine Schwäche an meiner Gegenüberstellung: Gibt es im Netz überhaupt schlechte Unternehmensvideos? Filmexperten können vermutlich am ein- oder anderen Unternehmens-Image-Film durchaus Kritik üben. Dennoch stellt sich die Frage, ob der Film nicht einfach nur auf eine sehr bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist. Somit könnte er für alle anderen Menschen weniger ansprechend wirken. Wie gut oder schlecht ein Imagefilm tatsächlich ist, beruht also zu einem großen Teil auf subjektiver Meinung.

Nachfolgend habe ich euch noch einmal kurz und übersichtlich aus meiner Sicht wichtige Do’s und Don’ts beim Video Storytelling zusammengestellt.

Don’ts

  • Unauthentische Auftritte von übermotivierten Darstellern
  • Schnelle Schnitte wirken unruhig und hektisch
  • Generische und GEMA-freie Musik wirkt total abgedroschen
  • Buzzwords übrigens auch
  • Photoshop gehört in die Hände von fähigen Designern
  • Mitarbeiter müssen für Ihren Filmauftritt gebrieft sein
  • Eigenlob stinkt, verwenden Sie die Zielgruppe und lassen Sie ihr Unternehmen von diesen empfehlen

Do’s

  • Held aus der Zielgruppe
  • Erzählen Sie ein Abenteuer
  • Schrift im Video? Dann nutzen Sie die Unternehmensfont
  • Erzähler im Video? Aus Belegschaft wählen
  • Wie definiert sich Ihre Markenpersönlichkeit?
  • Musik läuft nur untermalend im Hintergrund