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Sophia Gese

Sophia Gese

Sophia Gese kommt aus Würzburg und absolvierte ihr Bachelor- und Masterstudium an der Universität Regensburg. Anfang 2016 schloss sie dort ihren deutsch-französischen Master „Interkulturelle Europastudien“ ab. Seit einem Monat arbeitet Sophia als Trainee bei Maisberger und unterstützt das IT-Team bei Themen wie Business Intelligence, Cloud Computing und Cyber-Security
Sophia Gese
Weihnachten gilt als das Fest der Nächstenliebe: Das nehmen sich auch viele Unternehmen zum Motto und scheinen gerade in der Adventszeit ihre CSR-Aktivitäten auf ein neues Level heben zu wollen – zumindest kommunizieren viele das so. Doch wenn Unternehmen ihr soziales Engagement gerade zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, oder in eigenen Krisensituationen, nach außen tragen, sind wir geneigt zu fragen: „Nette Marketingaktion, aber was steckt wirklich dahinter? Viel Lärm um nichts?“
Christof Majer, VP Global Partner Sales bei Qlik und Vorsitzender von WeSeeHope
Im meinem Interview mit Christof Majer, VP Global Partner Sales beim Softwareunternehmen Qlik sowie Gründer und Vorsitzender der Hilfsorganisation WeSeeHope, durfte ich erfahren, dass oftmals eine ganze Menge dahinter steckt: Er erzählte mir vom CSR-Programm bei Qlik, über seine Hilfsorganisation WeSeeHope, wie sich diese nach außen präsentiert – und wie wichtig Facebook dabei ist. Eines wird dabei deutlich: Bei WeSeeHope steht die Nächstenliebe an erster Stelle, deren Kommunikation an zweiter – und so sollte es sein.

Herr Majer, Sie arbeiten für ein Softwareunternehmen, das man nicht direkt mit sozialen Projekten in Verbindung bringen würde: Welcher Stellenwert kommt CSR-Projekten innerhalb Ihres Unternehmens zu?

Soziale Projekte sind grundlegender Baustein unserer Unternehmenskultur bei Qlik und in der Strategie des Unternehmens verankert. Interne Spenden nehmen einen großen Teil unserer CSR-Bemühungen ein: Alle Mitarbeiter – und jeder nach seinen entsprechenden Möglichkeiten – werden aufgerufen, in soziale und Hilfsprojekte zu investieren. Von der zentralen CSR-Einheit von Qlik, die über ein spezielles Budget verfügt, werden die von Mitarbeitern erbrachten Spendengelder dann je nach Bedarf verdoppelt oder verdreifacht – das gilt besonders für die beiden von Qlik geförderten Organisationen MedAir und WeSeeHope. Die Entscheidung, welche Organisationen wie unterstützt werden, obliegt direkt dem Vorstandsvorsitzenden und wird im Unternehmen auch klar und transparent kommuniziert.

In welcher Weise kommt Qlik Mitarbeitern entgegen, die sich selbst sozial engagieren möchten?

Die Einbeziehung von Mitarbeitern in soziale Projekte wird in unserem Unternehmen groß geschrieben – allen soll ermöglicht werden, ihre Tätigkeiten in CSR-Projekten mit ihren beruflichen Verpflichtungen im Unternehmen zu vereinbaren. Mitarbeiter, die sich sozial engagieren, bekommen bei Qlik zum Beispiel einen Sonderurlaubstag zugesprochen. Auch finanziert Qlik interessierten Mitarbeitern einmal im Jahr eine Projektreise in hilfsbedürftige Regionen – darunter fällt zum einen der Flug, zum anderen aber auch die logistische Vorbereitung wie Impfungen und ein kulturelles Briefing, das emotional und körperlich auf die Auslandsreise vorbereiten soll.

Sie haben die Hilfsorganisation WeSeeHope in Deutschland gegründet – was hat Sie dazu motiviert?

Bevor ich auf einer internen Veranstaltung von Qlik auf die Hilfsorganisation WeSeeHope, die es zu der Zeit nur in UK gab, aufmerksam geworden bin, habe ich mich bereits im privaten Umfeld sozial engagiert und an Spendenaktionen teilgenommen. Überzeugt von den Hilfsprojekten wollte ich mir vor Ort selbst einen Eindruck verschaffen: 2013 nahm ich deshalb an einer Projektreise nach Malawi in Afrika teil, die vom Unternehmen unterstützt wurde – und auf der ich die Hilfsbedürftigkeit der dort lebenden Menschen zu spüren bekam. Das inspirierte mich und so gründete ich nur ein Jahr später, 2014, WeSeeHope in Deutschland. Seitdem unterstützen wir als „Schwester-Organisation“ von WeSeeHope in UK und als eingetragener Hilfeverein HIV- und Aids-Waisen in Süd- und Ostafrika und erreichen mit unseren Spenden mittlerweile fast 60.000 Kinder in 222 verschiedenen Gemeinden Afrikas. Dabei setzen wir auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“: Unsere Projekte sollen also so nachhaltig konzipiert sein, dass sie sich nach drei Jahren selbst tragen und wir die finanzielle Unterstützung einstellen können.

Gibt es eine Erfolgsgeschichte in Ihrer Projektarbeit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Auf meiner Projektreise nach Malawi durfte ich das Village Investors Programme kennenlernen, mit dem wir im Sinne der Nachhaltigkeit den größten Erfolg erreicht haben. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung in Afrika lebt von durchschnittlich 1 US-Dollar pro Familie – was fehlt, ist ein grundlegendes Know-how rudimentärer Wirtschaftsprozesse. Das Prinzip einer Sparkasse oder Volksbank beispielsweise, wie wir es kennen, gibt es dort nicht. Um das zu ändern, bringen wir regelmäßig die zehn vorgesetzten Frauen des Dorfes zusammen und führen die elementarste Form eines Sparkassenprinzips ein: Jede Familie des Dorfes verpflichtet sich seither dazu, in der Woche einige Cent in eine Spar- und Sozialkasse einzuzahlen. Das gesammelte Geld wird dann zum Aufbau eines Wirtschaftskreises genutzt. Jede Familie, die einen Projektvorschlag macht, muss zunächst einen Kreditantrag stellen, über den der Gemeinderat entscheidet. So haben wir mittlerweile einen Schreiner, einen Ziegenhirten, einen Landwirt und einen Fischverkäufer – und damit einen rudimentären Wirtschaftskreislauf etabliert. Mit dem Ergebnis: Die Familien der Gemeinde haben im Schnitt ihr Grundeinkommen von ehemals 1 US-Dollar auf heute 3 US-Dollar pro Tag verdreifacht.

Wie können unternehmensspezifische Fähigkeiten von Qlik, also Visual Analytics-Software, zu den CSR-Bemühungen des Unternehmens beitragen?

Unsere Software kann, je nach Art und Weise ihres Einsatzes, in Hilfsprojekten Großes leisten – das sehen wir auch bei WeSeeHope: Alle Zahlen, die ich Ihnen in diesem Interview nenne, entstehen ja erst aus dem Tracking und der Analyse unserer Projekte und können Fragen beantworten wie: Wie viele Kinder haben wir in der Betreuung? Wie viel Geld müssen wir wo einsetzen? Wie viele Kapazitäten müssen wir noch schaffen? Unsere Projektarbeit wird dadurch nicht nur effizienter, sondern intern wie extern transparenter – das schafft natürlich auch Vertrauen bei unseren Spendern und Investoren. Die jeweiligen Apps, die zum Einsatz kommen, sind natürlich auf die Art des jeweiligen Einsatzes ausgerichtet und sehen bei der Arbeit in Afrika anders aus als bei der Spendenverwaltung hier in Deutschland.

Wie machen Sie in der Öffentlichkeit auf Ihre Projekte aufmerksam?

Da unsere Organisation erst 2014 gegründet wurde, läuft natürlich noch viel über Mund-zu-Mund-Propaganda. Seit diesem Jahr haben wir aber eine Mitarbeiterin, die uns eine Website eingerichtet hat und unsere Facebook-Seite wöchentlich bespielt. Facebook ist extrem wichtig für uns, weil wir hier sehr hohe Nutzerzahlen und eine dementsprechend große Verbreitung unserer Inhalte sehen. Kürzlich gab es zum Beispiel eine Adventsaktion mit unseren Mitgliedern. Dank der Analysemöglichkeiten von Facebook konnten wir sehen, dass sich unser Facebook-Traffic seit unserem Beginn bis jetzt versiebenfacht hat – das geht also wirklich schnell. Heute läuft einfach viel über die sozialen Medien.
Gleichzeitig werden wir im kommenden Jahr verstärkt auch Geschäftspartner von Qlik über die bestehenden Netzwerke und die Business-Partnerschaften im Umfeld ansprechen.
Unser Verein zählt mittlerweile etwa 100 Mitglieder, im nächsten Jahr haben wir uns 500 zum Ziel gesetzt – und wir sind optimistisch.

Bei Interesse findet ihr weitere Informationen zu WeSeeHope unter www.WeSeeHope.de.

Unser Interview zeigt, wie CSR-Projekte und deren Kommunikation in der Praxis aussehen können – aber was sagt eigentlich die Theorie? Sina Ostermann von der Uni Hohenheim geht in ihrem Artikel „Werbung vs. PR?
Bei CSR-Kommunikation bleibt die Botschaft das A und O“ genau dieser Frage nach.

Zum Artikel der Uni Hohenheim