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Am 22. Juli 2016, einem traurigen Tag in der Geschichte der Stadt München, kam den sozialen Netzwerken eine bedeutende Rolle zu: Nicht nur die breite Öffentlichkeit, sondern auch Journalisten und sogar Einrichtungen wie die Polizei und diverse Ministerien nutzten Facebook, Twitter & Co., um über den Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum zu informieren und informiert zu werden. Für viele Bewohner Münchens war der Abend geprägt von Ungewissheit, ständigen Eilmeldungen auf dem Smartphone, den Berichterstattungen in den Nachrichten und – ganz besonders – den sozialen Medien.

Die Analyse von sozialen Medien im Zusammenhang mit Ausnahmesituationen ist auf dem Traineeblog kein neues Thema. Schon einmal hat sich ein Maisberger-Trainee mit der Rolle von sozialen Medien in Hinblick auf die Flüchtlingsdebatte auseinandergesetzt. Dort stellen Social-Media-Kanäle vor allem Plattformen für Diskussionen und Meinungsmache dar, während die klassischen Medien nach wie vor über Hintergründe, Zahlen und Fakten informieren. In den Stunden nach dem Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufszentrum schien diese noch eher traditionelle Rollenverteilung keinen Bestand zu haben. Auch am Freitagabend wurden Facebook, Twitter und Co als Diskussionsforen genutzt, lieferten darüber hinaus aber auch alle relevanten aktuellen Ereignisse. Die Rolle von Social Media in Krisensituationen hat sich also weiterentwickelt. Aber was genau soll und darf Social Media und wie wurde es von einer Plattform für Diskussion zu einer der wichtigsten Erstinformationsquellen?

 

Wie genau und von wem wurden sozialen Medien am 22. Juli eigentlich genutzt?

 

Nachrichtenverbreitung durch die Bevölkerung:

Durch Tweets, Posts und Videos in Echtzeit trugen Augenzeugen dazu bei, die Nachricht über die Gefahrensituation am Olympia-Einkaufszentrum zu verbreiten, Mitbürger zu warnen und Behörden auch ohne telefonischen Notruf erste Hinweise zum Tatort zu liefern. Auch die Einstellung des öffentlichen Personennahverkehrs wurde so schnell bekannt. Waren gerade die anfänglichen Informationen noch sehr hilfreich, stellten sich viele Posts zu möglichen weiteren Tatorten in der Münchener Innenstadt als Falschmeldungen heraus.

Bekanntmachung aktueller Informationen durch Polizei und Behörden:

Auf Twitter informierte die Münchener Polizei in mehreren Sprachen über die Situation am Olympia-Einkaufszentrum und gab Warnhinweise an die Bevölkerung weiter. Zudem bat die Polizei im Laufe ihrer Ermittlungen, keine weiteren Beiträge und Videos zu aktuellen Einsatzorten der Einsatztruppen zu veröffentlichen, um den möglichen Tätern keine Informationen zum Stand der Ermittlung zu liefern.

Journalisten nutzen Tweets und Facebook-Posts als Informationsquellen:

Da die Lage zunächst sehr unübersichtlich war und Journalisten vor Ort keine neuen Informationen in Erfahrung bringen konnten, beriefen sich viele Nachrichtensprecher bis zur ersten Pressekonferenz der Polizei München – und auch danach noch – auf Infos aus den sozialen Netzwerken.

 

Was bedeutet das für die Medienlandschaft?

Während Krisensituationen bieten soziale Netzwerke zwar nach wie vor eine Plattform für Diskussion, doch sie bieten auch ein Forum, in dem sich aktuelle Informationen wie ein Lauffeuer verbreiten. Dass dabei nicht nur nützliches Wissen verbreitet wird, sondern auch viele Falschmeldungen und Halbwissen, hat der 22. Juli in München gezeigt. Die Tendenz, dass Internetnutzer sich mehr und mehr in den soziale Medien über aktuelle Geschehnisse informieren und dazugehörige Beiträge teilen, ist laut einer Bitkom-Studie nicht neu. Es ist ebenfalls kein komplett neues Phänomen, dass klassische Medien sich im Rahmen ihrer Recherchen Informationen sozialer Netzwerke bedienen. Es ist im Sinne der journalistischen Sorgfaltspflicht jedoch die Aufgabe der Redakteure, die Glaubwürdigkeit und den Wahrheitsgehalt der dortigen Beiträge zu prüfen und einzuordnen, bevor sie durch die Medienanstalten an die Öffentlichkeit weitergegeben werden. Das eher Neue und Bedenkliche an der Sache: Am 22. Juli haben Journalisten teils Informationen veröffentlicht, die zuvor nicht ausreichend geprüft wurden. Spekulationen aus dem Netz wurden direkt aufgegriffen, die Agenda der klassischen Medien basierte auf der von Social Media. Die sozialen Netzwerke gaben den Ton an, die traditionellen Medien folgten. Das Ergebnis? Die eh komplexe Medienlandschaft wird so zu einem hoch komplexen Gefüge, in dem Wechselwirkungen zwischen Augenzeugen, Journalisten und Trittbrettfahrern – gerade in Ausnahmesituationen – nochmals verstärkt werden.

 

Und was passierte sonst noch im Netz?

Solidaritätsbekundungen und Saftety-Check Facebook

Unter dem Hashtag #offenetür zeigten sich viele Bewohner Münchens solidarisch. Sie nahmen „Gestrandete“ bei sich zu Hause auf und boten ihnen bis zur Entwarnung durch die Polizei ein Dach über dem Kopf. Wie schon bei vorherigen (Natur-)Katastrophen oder Terroranschlägen weltweit aktivierte Facebook seine Funktion des „Saftey Check“. Facebook-Nutzer können über dieses Tool ihre Freunde und Bekannte im Netzwerk wissen lassen, dass es ihnen gut geht und sie in Sicherheit sind.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Social Media am 22. Juli gemacht? Wurde Euch eine #offeneTür angeboten oder habt Ihr vielleicht sogar selbst Informationen an Eure Mitmenschen weitergeleitet? Ich freue mich auf Eure Kommentare!