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Von der humanitären Hilfe in die PR-Agentur: Ein Kulturschock?

Neulich fragte mich ein Bekannter: Du machst also PR. Ist das nicht Produkte anpreisen? Ich rümpfe die Nase und bereite innerlich eine kleine Recherche-Tour durch die Welt der Öffentlichkeitsarbeit vor. Impulsiv sprudelt es aber erst einmal aus mir heraus und ich berichte davon, Geschichten zu erzählen, die etwas bewegen, von Strategien und davon, Aufmerksamkeit für wichtige Dinge zu schaffen – davon ein Sprachrohr zu sein für Entwicklungen, die unsere (Arbeits)welt von Grund auf verändern. Es gibt ihn, den Sinn in der PR! Er sieht mich ungläubig an.

Um dem gängigen Vorurteil der Sinnlosigkeit der PR-Branche entgegenzutreten, soll dieser Blogbeitrag ein Statement, vielleicht sogar ein kleines Manifest der sinnvollen PR sein:

 

PR in der humanitären Hilfe

Die ersten Schritte in der Welt der PR machte ich in einer Hilfsorganisation: im Büro des Headquarters und in Auslandseinsätzen einer internationalen NGO im Bereich der Not- und Katastrophenhilfe. Hier ging es darum, Aufmerksamkeit auf die wertvolle Arbeit hunderter ehrenamtlicher Ärzte und Koordinatoren in Krisengebieten weltweit zu schaffen und ihre Geschichten bewegend und informativ zugleich zu erzählen. Eine simple Wahrheit lautet hier:

  • Ohne PR –  kein öffentliches Bewusstsein
  • Ohne öffentliches Bewusstsein –  keine Spenden
  • Ohne Spenden –  keine Arbeit für notleidende Menschen

In diesem Zusammenhang wirkt der „Produkte anpreisen“-Vorwurf ziemlich absurd, richtig?

PR mal anders: Als Medienkoordinatorin in der humanitären Hilfe muss man auch mal mit anpacken. Foto: Martina Zelt

Aber jetzt: Ertappt! Du arbeitest doch in einer Agentur!

Anlauf Nr. 2 des Gesprächs. Ja, ich arbeite in einer PR-Agentur, die Wirtschaftsunternehmen betreut. Wird mein wertegeprägter Ansatz nun als scheinheilig entlarvt? Erstens: Falsch geraten! Zweitens: Es lohnt sich ein genauerer Blick hinter die Kulissen und ins Detail, denn mir persönlich ist es von großer Wichtigkeit meinen Werten entsprechend zu handeln und zu arbeiten. Und das geht – auch in Agentur und Wirtschaft!

Human Resources(HR)-Kommunikation und humanitäre Hilfe: es geht um den Menschen!

Ich arbeite bei Maisberger im Team „Human Centered Communications“ und der größte Markt, mit dem wir es zu tun haben, ist im Bereich HR (unter anderem HR-Software-Produkte). Jedes Projekt in unserem Team dreht sich um den Menschen, denn der steht bei uns – im Namen wie im täglichen Handeln – im Mittelpunkt.

Teil 1: Employer Branding

Unter anderem durch meinen Hintergrund in der humanitären Hilfe sowie aus der Arbeit in einem mittelständischen Betrieb, der aufgrund einer internen Krise beinahe die Arbeitsplätze vieler Menschen gefährdet hätte, sehe ich ganz klar, dass  auch persönliche Schicksale von Mitarbeitern hier in Deutschland, Katastrophen sein können – und die verdienen unsere Aufmerksamkeit. Eine simple Weisheit aus dem Bereich HR lautet:

  • Ohne wertschätzende HR-Kommunikation – demotivierte Mitarbeiter
  • Demotivierte Mitarbeiter – weniger Erfolg fürs Unternehmen und Frust der Mitarbeiter
  • Frust der Mitarbeiter – (inneres) Verlassen des Unternehmens und / oder Unausgeglichenheit gegenüber Freunden und Familie

Dass es eine persönliche Katastrophe sein kann, wenn Wertschätzung am Arbeitsplatz Mangelware ist oder der Burnout droht, das weiß jeder, der mit diesen Themen bereits Kontakt hatte. Auch hier geht es um Schicksale! Anders als in der humanitären Hilfe, aber dennoch kann es das Leben Einzelner stark und negativ beeinflussen, wenn die Work-Life-Balance nicht stimmt, die Motivation fehlt und Selbstverwirklichung zum Fremdwort wird. Oder positiv gesprochen: Mit wertschätzender Kommunikation und gelungener Mitarbeiterbindung, kann vielen Menschen sehr viel Gutes getan werden! Mit dem Kernbereich Employer Branding arbeiten wir genau auf dieses Ziel hin!

Teil 2: HR-Software / HR-Services:

Ja, hier geht es um IT-Produkte, die Unternehmen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Zunächst möchte ich eine weitere simple Wahrheit aussprechen, die IT im Allgemeinen und im Bezug auf HR betrifft:

  • Ohne IT (in HR wie überall sonst) – nur erschwerter oder langsamer Datenaustausch, ob aus fernen Entwicklungsländern oder eben aus der Chefetage innerhalb des gleichen Unternehmens
  • Ohne Datenaustausch – keine schnelle, vernetzte und professionelle Reaktion auf nahende Probleme
  • Ohne professionelle Reaktion auf nahende Probleme – Probleme

Dies gilt sowohl für Wirtschaftsunternehmen als auch für die humanitäre Hilfe oder auch andere gesellschaftliche Entwicklungen  – die Logik ist immer die gleiche: Ohne Information und Vernetzung folgt schlechtere Zusammenarbeit. Das führt zu Frust, Misserfolg oder im schlimmsten Falle – wie in der humanitären Hilfe – zu unnötigem Leid.

Mini- Exkurs zu IT in der humanitären Hilfe

Ich erinnere mich, wie wichtig mein Laptop, mein Satellitentelefon, mein Smartphone mit Karten des Einsatzortes und das Waka-waka (eine solarzellenbetriebene Taschenlampe und Ladestation mit USB- und Mini-USB-Anschluss) im Einsatz zum Erdbeben in Ecuador waren. Ohne die wäre dieser sicherlich weniger „erfolgreich“ verlaufen.

Fazit: „Produkte anpreisen“ – PR ist wahrlich mehr – bzw. kann mehr sein!

Mein kurzes Schlussplädoyer an alle Skeptiker, Humanitären, Interessierten, PR-Neulinge oder eingesessenen Hasen, die vergessen haben, warum sie das alles überhaupt machen:  In einer Welt, in der alles zusammenhängt brauchen wir immer beides: Wirtschaft und Non-Profit, Helfer in roten Westen und IT-Experten, moderne Arbeitsbedingungen bei uns und Einsatz für Werte, die über diesen Tellerrand und Landesgrenzen hinaus gehen. Es gehört eben alles zusammen.

Und das Schöne (für die PR): All das kann PR mitgestalten und so einen großen Beitrag leisten.

Falls ihr Interesse an einer noch genaueren Beleuchtung des Themas „Sinn und PR“ habt, hinterlasst mir doch eure Kommentare, Fragen oder weiteres Feedback. Gerne widme ich auch den folgenden Blogbeitrag diesem (weiten) Feld, denn noch lange sind nicht alle Bereiche beleuchtet und es gibt noch vieles, was mir da so vorschwebt. Und euch?

Martina Zelt

Martina Zelt

studierte zunächst Germanistik, Italianistik und Kunstgeschichte in Bonn und Florenz, bevor im PR-Büro und bei Auslandseinsätzen einer Hilfsorganisation ihre Leidenschaft für Kommunikation entflammte. Seither war sie als Projektmanagerin in Neuseeland und im Bereich Change-Kommunikation tätig. Sie verstärkt nun seit April 2017 das Human Centered Communications Team bei Maisberger.
Martina Zelt