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Was ist das für 1 unauthentische Kommunikation?

Erwachsene und Jugendliche stehen grundsätzlich in einem schwierigen Verhältnis zueinander. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass man sich gegenseitig einfach nicht versteht. Nicht den Kleidungsstil der anderen Partei, nicht ihren Musikgeschmack, und oft noch nicht einmal ihre Sprache. Bewundernswert ist jeder Erwachsene, der versucht Brücken zur Jugend zu schlagen, um sie besser zu verstehen. Bemitleidenswert ist jeder Erwachsene, der dabei auf verkleidungsartige Anbiederung setzt. Der Onkel, der bedingt durch eine Mid-Life-Crisis die eigene Jugend nachholen will: Wenn er sich auf der Familienfeier zu den Kindern und Jugendlichen setzt und dort mit Begriffen wie YOLO um sich schmeißt, erntet er meist nur peinlich berührtes Schweigen.

Alles andere als Schweigen, sondern jede Menge Aufmerksamkeit erregt, hat kürzlich eine Marketing-Aktion der Sparkasse. Sie greift auf genau dieses Onkel-Konzept zurück. Fremdscham verursacht sie trotzdem (dabei für die Jugendlichen zu sprechen, will ich mir allerdings auch nicht mehr anmaßen). Die Sparkasse, bzw. ihre findige Marketing-Abteilung, ist offensichtlich darauf aufmerksam geworden, dass es da eine Facebook-Seite gibt, die mit einer ureigenen Interpretation der deutschen Sprache überaus große Beliebtheit in der Jugend genießt – und eine entsprechend hohe Gefolgschaft aufweisen kann.

 

„In die Richtung müssen wir auf jeden Fall auch was machen“, dachte man sich wohl, und kreierte folgerichtig den Slogan:

 

Gönn dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.

Dass auch die Sparkasse eine jugendliche Zielgruppe ansprechen will, ist selbstverständlich nachvollziehbar. Das ist ihr gutes Recht, und darin liegt auch nicht die Krux bei der Sache (dass es überhaupt eine gibt, ist nur meine eigene Interpretation. Die Sparkasse selbst wird aufgrund der erregten Aufmerksamkeit vermutlich ganz zufrieden auf die Aktion blicken).

Bleibt in eurer Rolle!

Das Problem liegt vielmehr in der offensichtlich klaffenden Diskrepanz zwischen dem, was dieser Slogan vermitteln soll („Komm zu uns, wir sind genauso cool wie ihr“), und der sparkässlichen Realität („Wir sind zwar nicht so cool, aber dafür ist dein Geld bei uns in guten Händen“). Es würde meine Erfolgschancen wohl drastisch verringern würde, wenn ich für einen Darlehensantrag bei meinem Sparkassenberater in der vom Slogan vermittelten Ausdrucksweise vorsprechen würde – „vong Stacks her sieht grad not gut aus bei mir, könnt ihr da maybe mit 1 Kredit helpen?“. Das ist auch gut so und spricht erstmal nur für die seriöse Arbeitsweise der Sparkasse. Wenn die Kommunikation des Unternehmens diesem Fakt aber, wie im genannten Fall, diametral entgegensteht, macht man sich unglaubwürdig. Das ist nicht authentisch und wirkt wie eine Verkleidung zur Anbiederung bei der jugendlichen Zielgruppe (im Gegensatz übrigens zu einigen durchaus amüsanten Werbespots der Bank).

Weniger wie eine Verkleidung, sondern lediglich ziemlich einfallslos, wirkt deswegen auch eine ganz ähnlich geartete Marketingkampagne beim Lollypop-Hersteller Chupa Chups: Lutscher sind halt nicht so trocken wie Girokonten und Bausparverträge, da passt das schon eher. Ein wenig mehr eigene Ideen als das bloße Übernehmen beliebter Ausdrücke wären zwar wünschenswert, aber sei’s drum.

Wie macht man’s besser?

 

Was folgt daraus? Dürfen Unternehmen, die statt von einem jugendlichen Image eher von ihrer Seriosität leben, grundsätzlich nur eine biedere und konservative Kommunikationsstrategie fahren? Natürlich nicht. Diese Gratwanderung erfordert jedoch durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Aktion mit vergleichbarer Intention gelungen gestaltet wurde, bietet der suhrkamp-Verlag: Für ein Gewinnspiel auf der Facebook-Seite des Verlags sollten fiktive Titel zu aktuellen Themen für die Reihe stw (suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Suhrkamp’s Ableger für wissenschaftliche Publikationen, vorgeschlagen werden. Unter die Gewinner geschafft haben es dann tatsächlich Titel-Einsendungen wie dieser:

Was ist das für 1 Life? Zur Beantwortung der Frage, wie man sich nur so hart gönnen kann.

Auch hier möchte ein in die eher hochseriöse Ecke einzuordnendes Unternehmen eine jugendliche Zielgruppe ansprechen, indem es auf einen aktuellen Trend in deren Sprachgebrauch zurückgreift. Auf den ersten Blick also genau wie die Aktion der Sparkasse.

Der Unterschied liegt im Detail: Die Verwendung der Jugendsprache ging hier in Form der Einsendung von Vorschlägen, die den typischen Duktus wissenschaftlicher Veröffentlichungen gekonnt aufs Korn nehmen, von der Zielgruppe selbst aus. Und dass man Vorschläge wie den genannten dann tatsächlich unter den Gewinnern landen lässt, zeugt von einer sympathischen Fähigkeit zur Selbstironie seitens Suhrkamp. Diese kleine Brechung der eigenen öffentlichen Wahrnehmung tut weder der Seriosität noch der Authentizität des Verlags Abbruch; und die Zielgruppe wird dabei nicht imitiert, sondern auf Augenhöhe angesprochen.

 

So werden Brücken gebaut, Onkel Sparkasse.

 

Kennt ihr weitere Positiv- oder Negativbeispiele? Zeigt sie uns!

Kreativ sein – jetzt!

In der Kreativbranche ist das so eine Sache: Nirgendwo hat man so viel Handlungsspielraum und so viel Gestaltungsfreiheit wie hier. Gleichzeitig verspürt man nirgendwo sonst einen solchen Druck, wenn dringend eine zündende Idee gefragt ist – sie einem aber einfach nicht in den Sinn kommen mag. Oder wenn ein Artikel in kürzester Zeit geschrieben werden muss, aber klare Gedanken und ein kreativer Ansatz fehlen.

Gerade im PR-Alltag finden wir uns häufig in Situationen wieder, in denen Kreativität auf Knopfdruck gefragt ist – aber ist das überhaupt möglich? Kann ein Mensch täglich ununterbrochen kreativ sein? Und wenn ja, woher nimmt er die Inspiration? Lässt sich Kreativität trainieren?

Coolness-Faktor Kreativität

Fakt ist: Kreativität ist heute gefragt wie nie, kreativ sein ist „in.“ Ob Agenturen – die sich kreativen Inhalten von Berufs wegen verschrieben haben – Unternehmen, Gastronomie oder Privatpersonen – alle möchten Kunden und Bekannte mit kreativen Inhalten begeistern. Es genügt schon allein, sich die steigende Zahl an Start-Ups anzusehen, die mit vermeintlich immer neuen und noch innovativeren Ideen den Markt zu erobern versuchen. Oder noch weiter gefasst die gesamte Hipster-Szene, die sich nicht nur in einer bestimmten Haltung, Musikrichtung und einem speziellen Kleidungsstil niederschlägt, sondern auch in der Gestaltung von Kneipen und Cafés – hier ist alles irgendwie außergewöhnlich, hip, anders,…kreativ eben. Handy-Apps wie Pinterest erfreuen sich heute großer Beliebtheit, weil sie uns eine Anleitung zum Kreativ sein geben – und dazu, uns mit Außergewöhnlichem selbstbewusst von der Masse abzuheben.

Eine Anleitung für kreatives Schaffen gibt es leider nicht immer. Kreativität setzt ja gerade voraus, dass wir uns frei machen von vorgefertigten Mustern und in neuen Zusammenhängen denken.

In der Wirtschaft versucht man, Kreativität mit einer ganz bestimmten Methode zu fördern: “Design Thinking“ wird mittlerweile den meisten ein Begriff sein. Von einer Innovationsagentur erdacht, unterstützt die Design-Thinking-Methode bei der Ideenfindung und richtet sich dabei klar auf die Bedürfnisse des Nutzers aus – eine Vorgehensweise, die sonst eben im Design-Bereich üblich ist.

Voller Einsatz ist gefragt

Was ist aber nun das Geheimrezept derjenigen, die in ihrem Beruf Tag für Tag kreative Leistungen erbringen müssen oder wollen? Bevor man das beantworten kann, sollte man zunächst verstanden haben, wie kreative Menschen arbeiten – und was es konkret bedeutet, „kreativ“ zu sein.

Kreativität hat viele Gesichter: Wer kreativ ist, betrachtet Dinge aus einem anderen Blickwinkel, stellt ungewohnte Zusammenhänge her, wählt eine unübliche Form der Darstellung oder erschafft schlichtweg etwas Neues – egal ob es sich dabei um ein Gemälde, einen Text, eine neue Geschäftsidee oder eine unkonventionelle Problemlösung handelt. Worauf es aber ankommt: Kreativ ist eine Idee oder ein Produkt erst dann, wenn es auch als positiv oder wertvoll erachtet wird – kreativ ist in einer PR-Agentur also der, dessen Ideen gut beim Kunden ankommen? Stimmt nicht ganz: Er ist es erst dann, wenn seine Ideen auch umsetzbar sind.

Kreativität bedeutet auch, dass wir Fantasie und Logik, Vorstellungskraft und folgerichtiges Denken miteinander verbinden – und unser Gehirn dabei ganzheitlich einsetzen. Beide Gehirnhälften sind hier gefragt: Das digitale, von Rationalität und Logik geprägte, Denken einerseits und das analoge und bildhafte Denken andererseits. Kein Wunder, dass es uns nicht immer leicht fällt, kreativ zu denken.

Gedanken kommen und gehen, ohne dass wir einen erheblichen Einfluss darauf nehmen können – und meistens fehlen uns die richtigen dann, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Nicht selten fallen uns Ideen ein, wenn wir gerade am Einschlafen sind, oder unter der Dusche.

Und das ist nicht verwunderlich, denn in diesen Momenten können wir uns entspannen – und damit auch unsere Gedanken lockern. Erster Tipp also, um den kreativen Gedankenfluss anzuregen: Lernen, sich bewusst zu entspannen und loszulassen, um den Kopf frei zu schaffen für neue Einfälle. Regelmäßige Arbeitspausen sind wichtig!

4 Methoden zu mehr Kreativität

Dass wir stets im richtigen Moment den richtigen Gedanken haben, ist nie garantiert. Und trotzdem gibt es Methoden, mit denen wir der eigenen Kreativität auf die Sprünge helfen können – denn es ist bewiesen, dass sie in jedem von uns schlummert. Redakteur Bar Kast von Der Tagesspiegel hat einige, selbst getestete, Strategien gesammelt – nachdem er zwei Jahre lang zum Thema Kreativität geforscht hat:

  1. Das Gehirn mit Ungewöhnlichem konfrontieren

Nur wie? Es genügt schon allein, ab und an aus der Alltagsroutine auszubrechen – und zum Beispiel mal das Fahrrad zu nehmen statt die U-Bahn, oder einen anderen Weg zu fahren als sonst. Auch das Lesen eines neuen Buchs oder einer unbekannten Zeitung kann dabei helfen, sich für das Ungewohnte zu öffnen und damit kreativer zu werden.

  1. Ins Ausland gehen und eine Fremdsprache lernen

Im Ausland braucht es nicht mehr, als einen Schritt vor die Tür zu setzten, um Ungewohntes zu erleben – und damit seine Wahrnehmung und sein Denken zu stimulieren. Auch die fremde Sprache beeinflusst unser Denken auf positive Weise und kann dazu beitragen, unsere Gedanken zu lockern. Tatsächlich schneiden Menschen, die länger im Ausland gelebt haben, in Kreativitätstests besser ab als andere, wie Adam Galinsky von der Columbia University zeigt.

  1. Brainstorming? Nicht so gut wie sein Ruf

Wenn ein Team gemeinsame Ideen sucht, ist die erste Herangehensweise meist: Ein Meeting zum Brainstorming einzuberufen. Dabei haben zahlreiche Studien längst bewiesen, dass diese Methode wenig effektiv ist und Menschen alleine oftmals auf mehr und bessere Gedanken kommen als in der Gruppe. Grundsätzlich gilt: Wenn Brainstorming, dann mit einem Moderator, der für einen produktiven Gedankenaustausch sorgt.

  1. Freude am Austausch in der Gruppe

Kreativität, vor allem in der Gruppe, gründet auf einem gelungenen, zwischenmenschlichen Austausch – denn erst dann, ist das Team mehr als nur die Summer der Einzelnen und in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ja, ich nehme gerne auch mal das Fahrrad zur Abwechslung und ja, ich war bereits mehrmals im Ausland und habe gleich mehrere Fremdsprache gelernt. Ich tausche mich gerne mit meinen Kollegen aus, mache mir aber auch in Ruhe meine eigenen Gedanken. Und trotzdem gibt es Kreativitätsflauten in meiner täglichen Arbeit…ein Trost bleibt mir immerhin: In der Forschung besagt die „Zehn-Jahres-Regel“, dass im Schnitt rund zehn Jahre intensiver Einarbeitung nötig sind, um es in einer Branche zur kreativen Könnerschaft zu bringen – na dann bleibt mir ja noch etwas Zeit!

Kreativität „auf Kommando“ – ist das auch in Eurem Job gefragt? Und wenn ja, wie geht Ihr mit solchen Situationen um? Ich freue mich über Eure Kommentare!

Rifting Reality im Content Marketing

In meinem letzten Beitrag stellte ich euch die uns umgebenden Realitäten vor, nämlich die erweiterte (AR) und virtuelle Realität (VR). Heute möchte ich Beispiele dafür aus der (Marketing) Praxis aufzeigen. Außerdem wagen wir einen Ausblick auf das, was uns im Realitätswirrwarr noch bevorstehen mag. Auf der Gamescom in Köln, der größten Videospielmesse Europas, zeigten viele Publisher auch die Möglichkeiten der aktuell im Handel verfügbaren VR-Brillen (besonderes Gimmick: die „Nosulus Rift“ von Ubisoft). Nicht nur in der Videospielbranche erfreut sich die virtuelle Realität wachsender Beliebtheit bei findigen Marketeern. Auch auf Key-Note Events von Facebook oder in einem Proof-of-Concept Video für Roboterprogrammierung wurden diese Brillen schon eingesetzt. (mehr …)

VR, AR, GO – und Kinder gehen wieder vor die Tür

Virtuell und erweitert – Realitäten beschäftigen nicht nur die Videospielbranche, auch in anderen Bereichen wie der Bildung, dem Gesundheitswesen oder der Industrie werden die Grenzen der realen Welt überschritten, um unterschiedlichste Effekte zu erzielen. Mit Pokémon GO hielt die „augmented reality“, also die erweiterte Realität, Einzug in die Medienlandschaft und entfachte bei Menschen verschiedener Altersklassen das Feuer für das Videospiel neu. Hierbei schlüpft der Spieler in die Rolle eines Trainers von kleinen und großen Pokémon („pocket monsters“ – Taschenmonstern). (mehr …)

Into the Wild – PR entdecken

Agenturalltag zwischen Case Study Chaos und Zen-Blog-Meditation

RUMMS! Mit diesem lautmalerischen Begriff kann man wohl am besten beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man als frischgebackener Masterabsolvent und nach insgesamt 17 Jahren Studium und Schule endlich in der Berufswelt ankommt. Es war allerdings kein schmerzhafter Aufprall, eher ein gänzlich ungewohntes Gefühl, ein Ankommen also in einer vollkommen neuen Welt, die es nun zu entdecken gilt. (mehr …)