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Bad Bot, Super Bot – Einblick in die verschiedenen Bot-Arten

Bad Bot, Super Bot – Einblick in die verschiedenen Bot-Arten

„Bots im Einsatz für Versicherungen“, „Bis zu 48 Millionen Twitter-Nutzer sind in Wirklichkeit Bots“, „Skurril: Auch Bots tragen Fehden aus“, „Wie Social Bots das Internet gefährden“, Bots, Bots, BOTS. Seit einiger Zeit ist das Thema ziemlich präsent in den Medien und sicherlich ist auch der ein oder andere von euch schon mal über einen Bot gestolpert – vielleicht sogar ohne es zu merken.

Letztens habe ich mal wieder ein neues Tool ausprobiert und nach nur kurzer Zeit hatte ich auch direkt eine Frage an das Serviceteam. Leitung besetzt, E-Mail ist doch eigentlich langweilig, wenn schon, dann mal per Facebook anfragen. Warum auch nicht. Frage getippt und prompt kam auch schon eine Antwort: „Vielen Dank für Ihre Anfrage! Wir werden uns Ihr Anliegen ansehen und Sie benachrichtigen, sobald wir eine Lösung für Sie haben.“ Naja, so oder so ähnlich die Antwort. Bäm! Bot!

Was ist eigentlich ein Bot?

„Bot“ leitet sich vom englischen Wort „robot“ ab. Eigentlich ganz nett die Vorstellung, dass irgendwo ein kleiner Roboter sitzt, der deine Anfrage beantwortet. Aber letztendlich ist ein Bot lediglich ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben automatisiert. Hierzu gehört die Ausführung und Wiederholung der Aufgaben. Einige Web Bots funktionieren ganz selbstständig und werden automatisch in Bewegung gesetzt, andere benötigen speziellen Input, also gewisse Trigger.

So oder so klingt das doch nach einer guten Sache? Aufgaben, die für Menschen z.B. zu zeitaufwendig sind, übernimmt ein Computerprogramm. Trotzdem liest man immer öfter auch Negativschlagzeilen über Web-Bots.

Guter Bot, böser Bot

Von böswilligen Bots, die Schadsoftware transportieren und zahlreiche Rechner mit Viren infizieren über die Suchmaschinen Bots – oder auch „Crawler“ – die Webseiten nach gesuchten Begriffen durchforsten bis hin zu guten Bots, die darauf programmiert wurden Plagiate ausfindig zu machen – Das Netz bietet eine Heimat für alle Web Roboter. Hier einige Beispiele:

Die Guten

Data Bots:

Laut eZanga versorgen dich die sogenannten Media oder Data Bots mit Updates zu Wetter, Nachrichten und Sport, dem aktuellen Börsenkurs usw. In real-time werden die Daten, dank der intelligenten Software, an den User geschickt, der die Informationen abruft. Google Home oder Siri können durchaus als Data Bots klassifiziert werden.

Trader Bots:

Diese Bots stehen ganz oben auf meinem persönliches Siegertreppchen im Ranking um den Titel „Lieblings-Bot“. Sie durchforsten nämlich Seiten wie eBay und Amazon auf der Suche nach dem niedrigsten Preis. Eingesetzt werden diese von Online Händlern, um den Wettbewerb zu sichten und im besten Fall die Konkurrenz mit niedrigeren Preisen zu unterbieten. Und davon profitieren dann immerhin die Konsumenten – also wir!

Spider Bots:

Das Thema Suchmaschinen hatte ich bereits kurz angerissen. Spider Bots sind eben diese Bots, die Suchmaschinen durchforsten. Googlebot oder Bingbot sorgen dafür, dass am Ende jeder Suchmaschinenanfrage auch die passende Webseite vorgeschlagen wird.

Chatbots:

Chatbot ist wohl jedem ein Begriff. Chatbots können die komplette Steuerung eines Accounts oder Profils in einer Social Media App übernehmen. Viele Unternehmen nutzen Chatbots für automatisierte Kundendienst-Lösungen. Beispielsweise eben in der Form, wie ich sie als Antwort auf meine Anfrage bekommen hatte. Den Chatbots liegt ein definiertes Set von Schlüsselwörtern, Fragen- und Antwortbausteinen zugrunde, anhand derer dieser Bot individuell auf Fragen reagieren kann. Durch den Input, den der Chatbot erhält, wird er mit der Zeit immer intelligenter. Ob diese Art von Kommunikation mit dem Kunden so vorteilhaft ist, sei mal dahingestellt. Schlussendlich ist es wohl Geschmackssache, ob man lieber gleich eine Nachricht bekommt, dass die Anfrage morgen beantwortet wird, oder ob man einfach bis morgen wartet.

Die Bösen

Spam Bots:

Spam Bots… klingt, als wäre das wohl die nervigste aller Bot-Arten. Man sollte meinen, dass gewiefte Anti-Virus Programme und clevere Bot-Blocker bereits gelernt haben, wie man eben solche stoppen kann. Leider werden Spam Bots immer klüger. Sie verbreiten – wie der Name schon sagt – Spam. Egal ob in E-Mails oder in Kommentaren unter Artikeln und Blog-Posts. Dir ist sicher schon mal aufgefallen, dass so mancher Blog eine Captcha-Schranke hat, die überwunden werden muss, wenn man etwas kommentieren will. Ein Bot kann in diesem Moment den Befehl nicht ausführen, da er nicht darauf programmiert ist und schon ist der Blog vor Bot-Kommentaren sicher!

Scrapers:

Scrapers sind dazu gemacht Content zu klauen. Sie stibitzen sich E-Mail Adressen, Bilder, Texte usw. Oft wird der Content, der so geklaut wird ein wenig geändert und an anderer Stelle wieder zum Einsatz gebracht.

Hackers und Impersonators:

Malware, Malware überall! Dank den Hackers. Im Gegensatz zu den Impersonators, sind Hackers aber zumindest leicht zu erkennen. Impersonators sind nämlich so gescripted, dass sie sehr gut die User Charakteristic nachahmen können, was sie sehr identifizierbar macht. Oft sind diese Bots für Distributed Denial of Service (DDoS) Attacken verantwortlich. Bei einem DDoS-Angriff wird eine große Anzahl an infiltrierter Systeme auf ein Ziel-System geschickt. Meistens kann dann das Ziel-System – z.B. ein Server – dem Ansturm nicht standhalten, was zu einer Abschaltung des Systems führt.

Die Grauzone

In einem Web, in dem es Bots wie Sand am Meer gibt, ist es natürlich nicht immer ganz so leicht zu unterscheiden, welcher Bot jetzt eigentlich gut und welcher schlecht ist. Die eher negative Stimmung gegenüber Bots ist aber schnell erklärt. Gerade in Zeiten, in denen Wahlen verstärkt online ausgetragen werden und Informationen aus Social Media mehr Glauben geschenkt wird, als klassischen Medien, herrscht teilweise Verunsicherung darüber, dass Social Bots die Meinungsbildung von Usern beeinflussen können – und das sicher nicht ganz zu Unrecht. Dennoch stehen uns immer noch genug gute Bots mit Rat und Tat zur Seite und helfen bei der täglichen Arbeit im Web. Bot ist eben nicht gleich Bot!

#FunFact zum Schluss: Instagram hat es vor einigen Jahren gewagt, Millionen von Spam Bots zu löschen, was dazu geführt hat, dass die Followerzahlen einiger Kanäle rapide gesunken sind. Das hat natürlich nicht Jedem so gut gefallen…

Bisschen weniger Web-Bots, bisschen mehr Real-Life-Robots?

Hier findest du spannende Beiträge rund um das Thema Robotik.
Alternative Fakten – Die neue Kommunikation des Weißen Hauses

Alternative Fakten – Die neue Kommunikation des Weißen Hauses

Auf Twitter geistern seit dem 20. Januar zwei Bilder umher: Sie zeigen die Zuschauermassen bei den Amtseinführungen Obamas im Jahr 2009 und Trumps vor wenigen Tagen. Die Fragen, die damit verknüpft sind: Wie viele waren es denn nun wirklich, die bei der Amtseinführung von Donald Trump anwesend waren? Und wie viele haben weltweit zugesehen? Mehr oder weniger als bei Obamas? Eigentlich ist der Fall relativ klar. Auch wenn die genauen Zuschauerzahlen nahezu unmöglich zu bestimmen sind und sie auch von der Stadt Washington nicht veröffentlicht wurden, sprechen letzten Endes die Bilder Bände: Bei der Amtseinführung von Barack Obama im Jahr 2009 war der Platz auf dem Capitol Hill deutlich mehr gefüllt als dieses Jahr bei Donald Trumps Inauguration. So viel zum Hintergrund.

Fantastische Behauptungen und wo sie zu finden sind…

Für Sean Spicer, Trumps Pressesprecher, war die Sache ebenso klar – nur dass er die Vereidigung offenbar mit ganz anderen Augen gesehen hat. „Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt., verkündete er bei seiner ersten Pressekonferenz. Pressevertreter durften dabei übrigens nicht zu Wort kommen, dafür wurden „der Presse“, wie Spicer pauschalisierte, aber rechtliche Konsequenzen angedroht. Schließlich hätte diese versucht, negative Stimmung gegen das Event herauf zu beschwören. Insgesamt hatte er innerhalb von fünf Minuten vier Mal gelogen, beziehungsweise – wie Kellyanne Conway, Beraterin des Präsidenten, es nennt – „alternative Fakten verwendet“.

Betrachtet man die Pressekonferenz und die anschließende Reaktion von Conway darauf mit etwas Abstand, sieht es so aus, als ob das Weiße Haus in Zukunft auf eine neue Art der Kommunikation setzt. Diese zeichnet sich dadurch aus, die eigene Sichtweise erstmal rückhaltlos zu verlautbaren um in weiteren Schritten etwaige andere Sichtweisen zu unterdrücken und einen Geltungsanspruch für das eigens Gesagte mit Euphemismen wie „alternative Fakten“ künstlich herzustellen.

Fakt oder nicht Fakt?

Betrachtet man den Ausdruck „alternativer Fakt“ genauer, erkennt man auch dessen Absurdität: Wie kann es eine Alternative zu einem Fakt geben? Natürlich kann ein Glas Wasser halb voll und gleichzeitig halb leer sein aber am Ende ist doch das Wasservolumen gleich der Hälfte des vollen Glases, auch wenn jemand behauptet, es sei noch nie so viel Wasser in einem Glas gewesen. Unterstreicht man seine Unwahrheit im Anschluss noch mit einem „Punkt“ oder „Basta“ verkehrt sich diese immer noch nicht in die Wahrheit. Punkt. Und welche Frage nach wie vor offen bleibt: Zu was sind die „alternativen Fakten“ eine Alternative? Zur Wahrheit etwa? Darf man sich die Welt nun malen wie de wie de wie sie einem gefällt? Oder entsprechen die Medienberichte über den weniger gefüllten Platz bei der Amtseinführung gar parallel zu denen des Pressesprechers Spicer der Wahrheit? War der Platz also gleichzeitig voller UND leerer als von 8 Jahren? Kann man hier also von Schrödingers Platz reden? Fragen über Fragen.

Dass der Alltag zweifelsohne attraktiver wäre, könnten wir uns aus alternativen Fakten eine neue Realität schaffen, beweisen die sozialen Medien. Denn dort melden sich zahlreiche User mit Fake-Pressemeldungen à la Spicer zu Wort:

Verlässliche Aussagen waren gestern

Ob die Anzahl der Zuschauer bei besagtem Ereignis nun größer oder kleiner als die vor 8 Jahren war, spielt eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass die mächtigste Regierung der Welt Lügen als probates Mittel für Pressemitteilungen hält und ferner in peinlichen Rechtfertigungsversuchen daran festhält. Des Weiteren wird die Presse in der Kommunikation exkludiert – mehr noch: Ihr wird sogar mit Konsequenzen für ihre Arbeit gedroht. Ganz zu schweigen davon, dass es keinen einheitlichen Kommunikationstenor des Weißen Hauses gibt, sondern diverse Sprecher unterschiedliche Aussagen verbreiten. Während der Pressesprecher noch, wie zuvor schon erwähnt, unumstößlich von der „größte[n] Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat“ spricht, ist dies wenig später laut Trump-Spitzenberaterin Conway nur noch ein „alternativer Fakt“. Was Donald Trump selbst dann noch auf Twitter postet, darf laut Experten sowieso nicht ernst genommen werden. Alles in Allem steuert die Kommunikation der amerikanischen Regierung dank ihres Steuermannes mit voller Absicht in ein Meer aus Lügen – und das dürfte nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt ein unruhiges Gewässer werden.

Als Kommunikationsexperten fragen wir uns natürlich: Wie kann man diesem Trend der alternativen Fakten oder des postfaktischen Zeitalters entgegenwirken? Der Schlüssel ist, sich nicht anstecken zu lassen von dem Verfall der Kommunikation, obgleich das wohl der einfachste Weg ist. Aber der Respekt vor seinem Gegenüber, fundierte Recherche und die Ächtung der Lüge sind nicht nur ehrbare Werte, sondern absolute Notwendigkeit für eine vernünftige Kommunikation. Das hat auch einen Nutzen für die eigene Person, nämlich Glaubwürdigkeit.

 

Gerne würde ich wissen, wie sehr die US-Regierung in euren Augen an Glaubwürdigkeit durch diesen Presse-Fauxpas eingebüßt hat. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Kopf oder Bauch? Sowohl als auch!

Kopf oder Bauch? Sowohl als auch!

Der Aufruf zur Blogparade „Entscheidungen treffen“ auf zielbar.de (die auch den Anlass zu diesem Blogpost gibt) wurde von Christian Müller mit einer Zahl eingeleitet (und wie es scheint einer wissenschaftlich fundierten), die mir zu denken gibt:

Wenn wir jeden Tag etwa 20.000 Entscheidungen treffen – wie wohlüberlegt kann jede einzelne davon dann sein?

Wie viele davon treffe ich überhaupt in vollem Bewusstsein über kurz- und langfristige Konsequenzen?

Vermutlich nur einen Bruchteil davon. Doch so manche Entscheidung wägt man dann doch sehr sorgfältig ab. Meist sind das diejenigen, die als folgenschwer (im Positiven wie im Negativen) und weitreichend eingeschätzt werden. In diese Kategorie fallen auch Business-Entscheidungen über Neuanschaffungen für das eigene Unternehmen, seien es Maschinen, Software oder Dienstleistungen. Vor allem, wenn an einer solchen Entscheidung noch ein gewisser Kostenaufwand hängt, wird sie sicher nicht nebenbei im Affekt gefällt.

Entscheidungen von genau dieser Art positiv bei den Kunden unserer Kunden zu beeinflussen, ist aber ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit in der B2B-Kommunikation. Darum handelt dieser Beitrag zur oben genannten Blogparade auch nicht von eigenen Entscheidungen (ich kann mich noch nicht einmal an alle 20.000 von gestern erinnern), sondern von den Entscheidungen anderer. Auf diese hat man durchaus Einfluss – den man verschwendet, wenn man sie dem Zufall überlässt.

Die harten Fakten

Ein rational handelnder Entscheider wird sich zunächst alle für ihn relevanten Informationen einholen. Welcher Herausforderung steht er gegenüber? Welche Lösungen gibt es dafür auf dem Markt? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Die erste Aufgabe besteht darin, dass der Kunde überhaupt in diesen Prozess der Entscheidungsfindung eingeschlossen wird. Um nicht unterzugehen, gilt es, auf den Kanälen präsent zu sein, in denen die Informationssammlung der Zielgruppe stattfindet. Genau dort muss ihm anschaulich, aber immer sachlich präsentiert werden, wie sein Unternehmen von der angepriesenen Lösung profitieren kann.

Was sagt der Bauch?

Neben der rationalen Komponente spielen in jede Entscheidung aber immer auch psychologische Faktoren – gewissermaßen die „Bauch-Komponente“ (die übrigens wichtiger ist als man denken mag) – und natürlich möchten wir beide Seiten im Entscheider ansprechen.

Stehen Menschen vor Entscheidungen, neigen sie oft zu der Alternative, die ihnen bereits bekannt ist. Psychologische Effekte wie dieser sind ein wichtiger Anknüpfungspunkt: Es geht nicht immer nur um Effizienzsteigerungen, ROI’s, Vertragslaufzeiten und Kostenrahmen. Auch ‚softe‘ Faktoren wie die Bekanntheit einer Marke, Vertrauen, Sympathie oder Glaubwürdigkeit können am Ende durchaus entscheidend sein und dürfen in der Unternehmenskommunikation daher selbstverständlich nicht außen vor gelassen werden.

Vielleicht wird die Kaufentscheidung letztendlich sogar davon maßgeblich geprägt, was vorher zum Mittag gegessen wurde. Da hört unser Einfluss dann allerdings auch auf.

Kommt nächste Woche wieder und lest einen weiteren Beitrag von Patrick zur Blogparade „Entscheidungen treffen“!

Video Storytelling – Klappe die Zweite

Video Storytelling – Klappe die Zweite

Letzte Woche hat mein Kollege Johannes Lossack bereits anschaulich erklärt, warum Video Storytelling, insbesondere Online Videos, so wichtig sind. Wie angekündigt, dreht sich unser heutiger Blogbeitrag rund um das Thema gute VS. schlechte Unternehmensfilme. Eingangs sei erwähnt, dass wir in dieser Gegenüberstellung nur Unternehmensfilme betrachtet haben, die darauf abzielen, das Image eines Unternehmens darzustellen. Neben diesen reinen Imagefilmen gibt es nämlich auch noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, wie Unternehmen im Bewegtbildformat mit ihren Zielgruppen kommunizieren können. (mehr …)

Was ist das für 1 unauthentische Kommunikation?

Was ist das für 1 unauthentische Kommunikation?

Erwachsene und Jugendliche stehen grundsätzlich in einem schwierigen Verhältnis zueinander. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass man sich gegenseitig einfach nicht versteht. Nicht den Kleidungsstil der anderen Partei, nicht ihren Musikgeschmack, und oft noch nicht einmal ihre Sprache. Bewundernswert ist jeder Erwachsene, der versucht Brücken zur Jugend zu schlagen, um sie besser zu verstehen. Bemitleidenswert ist jeder Erwachsene, der dabei auf verkleidungsartige Anbiederung setzt. Der Onkel, der bedingt durch eine Mid-Life-Crisis die eigene Jugend nachholen will: Wenn er sich auf der Familienfeier zu den Kindern und Jugendlichen setzt und dort mit Begriffen wie YOLO um sich schmeißt, erntet er meist nur peinlich berührtes Schweigen.

Alles andere als Schweigen, sondern jede Menge Aufmerksamkeit erregt, hat kürzlich eine Marketing-Aktion der Sparkasse. Sie greift auf genau dieses Onkel-Konzept zurück. Fremdscham verursacht sie trotzdem (dabei für die Jugendlichen zu sprechen, will ich mir allerdings auch nicht mehr anmaßen). Die Sparkasse, bzw. ihre findige Marketing-Abteilung, ist offensichtlich darauf aufmerksam geworden, dass es da eine Facebook-Seite gibt, die mit einer ureigenen Interpretation der deutschen Sprache überaus große Beliebtheit in der Jugend genießt – und eine entsprechend hohe Gefolgschaft aufweisen kann.

 

„In die Richtung müssen wir auf jeden Fall auch was machen“, dachte man sich wohl, und kreierte folgerichtig den Slogan:

 

Gönn dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.

Dass auch die Sparkasse eine jugendliche Zielgruppe ansprechen will, ist selbstverständlich nachvollziehbar. Das ist ihr gutes Recht, und darin liegt auch nicht die Krux bei der Sache (dass es überhaupt eine gibt, ist nur meine eigene Interpretation. Die Sparkasse selbst wird aufgrund der erregten Aufmerksamkeit vermutlich ganz zufrieden auf die Aktion blicken).

Bleibt in eurer Rolle!

Das Problem liegt vielmehr in der offensichtlich klaffenden Diskrepanz zwischen dem, was dieser Slogan vermitteln soll („Komm zu uns, wir sind genauso cool wie ihr“), und der sparkässlichen Realität („Wir sind zwar nicht so cool, aber dafür ist dein Geld bei uns in guten Händen“). Es würde meine Erfolgschancen wohl drastisch verringern würde, wenn ich für einen Darlehensantrag bei meinem Sparkassenberater in der vom Slogan vermittelten Ausdrucksweise vorsprechen würde – „vong Stacks her sieht grad not gut aus bei mir, könnt ihr da maybe mit 1 Kredit helpen?“. Das ist auch gut so und spricht erstmal nur für die seriöse Arbeitsweise der Sparkasse. Wenn die Kommunikation des Unternehmens diesem Fakt aber, wie im genannten Fall, diametral entgegensteht, macht man sich unglaubwürdig. Das ist nicht authentisch und wirkt wie eine Verkleidung zur Anbiederung bei der jugendlichen Zielgruppe (im Gegensatz übrigens zu einigen durchaus amüsanten Werbespots der Bank).

Weniger wie eine Verkleidung, sondern lediglich ziemlich einfallslos, wirkt deswegen auch eine ganz ähnlich geartete Marketingkampagne beim Lollypop-Hersteller Chupa Chups: Lutscher sind halt nicht so trocken wie Girokonten und Bausparverträge, da passt das schon eher. Ein wenig mehr eigene Ideen als das bloße Übernehmen beliebter Ausdrücke wären zwar wünschenswert, aber sei’s drum.

Wie macht man’s besser?

 

Was folgt daraus? Dürfen Unternehmen, die statt von einem jugendlichen Image eher von ihrer Seriosität leben, grundsätzlich nur eine biedere und konservative Kommunikationsstrategie fahren? Natürlich nicht. Diese Gratwanderung erfordert jedoch durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Aktion mit vergleichbarer Intention gelungen gestaltet wurde, bietet der suhrkamp-Verlag: Für ein Gewinnspiel auf der Facebook-Seite des Verlags sollten fiktive Titel zu aktuellen Themen für die Reihe stw (suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Suhrkamp’s Ableger für wissenschaftliche Publikationen, vorgeschlagen werden. Unter die Gewinner geschafft haben es dann tatsächlich Titel-Einsendungen wie dieser:

Was ist das für 1 Life? Zur Beantwortung der Frage, wie man sich nur so hart gönnen kann.

Auch hier möchte ein in die eher hochseriöse Ecke einzuordnendes Unternehmen eine jugendliche Zielgruppe ansprechen, indem es auf einen aktuellen Trend in deren Sprachgebrauch zurückgreift. Auf den ersten Blick also genau wie die Aktion der Sparkasse.

Der Unterschied liegt im Detail: Die Verwendung der Jugendsprache ging hier in Form der Einsendung von Vorschlägen, die den typischen Duktus wissenschaftlicher Veröffentlichungen gekonnt aufs Korn nehmen, von der Zielgruppe selbst aus. Und dass man Vorschläge wie den genannten dann tatsächlich unter den Gewinnern landen lässt, zeugt von einer sympathischen Fähigkeit zur Selbstironie seitens Suhrkamp. Diese kleine Brechung der eigenen öffentlichen Wahrnehmung tut weder der Seriosität noch der Authentizität des Verlags Abbruch; und die Zielgruppe wird dabei nicht imitiert, sondern auf Augenhöhe angesprochen.

 

So werden Brücken gebaut, Onkel Sparkasse.

 

Kennt ihr weitere Positiv- oder Negativbeispiele? Zeigt sie uns!