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Alternative Fakten – Die neue Kommunikation des Weißen Hauses

Alternative Fakten – Die neue Kommunikation des Weißen Hauses

Auf Twitter geistern seit dem 20. Januar zwei Bilder umher: Sie zeigen die Zuschauermassen bei den Amtseinführungen Obamas im Jahr 2009 und Trumps vor wenigen Tagen. Die Fragen, die damit verknüpft sind: Wie viele waren es denn nun wirklich, die bei der Amtseinführung von Donald Trump anwesend waren? Und wie viele haben weltweit zugesehen? Mehr oder weniger als bei Obamas? Eigentlich ist der Fall relativ klar. Auch wenn die genauen Zuschauerzahlen nahezu unmöglich zu bestimmen sind und sie auch von der Stadt Washington nicht veröffentlicht wurden, sprechen letzten Endes die Bilder Bände: Bei der Amtseinführung von Barack Obama im Jahr 2009 war der Platz auf dem Capitol Hill deutlich mehr gefüllt als dieses Jahr bei Donald Trumps Inauguration. So viel zum Hintergrund.

Fantastische Behauptungen und wo sie zu finden sind…

Für Sean Spicer, Trumps Pressesprecher, war die Sache ebenso klar – nur dass er die Vereidigung offenbar mit ganz anderen Augen gesehen hat. „Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt., verkündete er bei seiner ersten Pressekonferenz. Pressevertreter durften dabei übrigens nicht zu Wort kommen, dafür wurden „der Presse“, wie Spicer pauschalisierte, aber rechtliche Konsequenzen angedroht. Schließlich hätte diese versucht, negative Stimmung gegen das Event herauf zu beschwören. Insgesamt hatte er innerhalb von fünf Minuten vier Mal gelogen, beziehungsweise – wie Kellyanne Conway, Beraterin des Präsidenten, es nennt – „alternative Fakten verwendet“.

Betrachtet man die Pressekonferenz und die anschließende Reaktion von Conway darauf mit etwas Abstand, sieht es so aus, als ob das Weiße Haus in Zukunft auf eine neue Art der Kommunikation setzt. Diese zeichnet sich dadurch aus, die eigene Sichtweise erstmal rückhaltlos zu verlautbaren um in weiteren Schritten etwaige andere Sichtweisen zu unterdrücken und einen Geltungsanspruch für das eigens Gesagte mit Euphemismen wie „alternative Fakten“ künstlich herzustellen.

Fakt oder nicht Fakt?

Betrachtet man den Ausdruck „alternativer Fakt“ genauer, erkennt man auch dessen Absurdität: Wie kann es eine Alternative zu einem Fakt geben? Natürlich kann ein Glas Wasser halb voll und gleichzeitig halb leer sein aber am Ende ist doch das Wasservolumen gleich der Hälfte des vollen Glases, auch wenn jemand behauptet, es sei noch nie so viel Wasser in einem Glas gewesen. Unterstreicht man seine Unwahrheit im Anschluss noch mit einem „Punkt“ oder „Basta“ verkehrt sich diese immer noch nicht in die Wahrheit. Punkt. Und welche Frage nach wie vor offen bleibt: Zu was sind die „alternativen Fakten“ eine Alternative? Zur Wahrheit etwa? Darf man sich die Welt nun malen wie de wie de wie sie einem gefällt? Oder entsprechen die Medienberichte über den weniger gefüllten Platz bei der Amtseinführung gar parallel zu denen des Pressesprechers Spicer der Wahrheit? War der Platz also gleichzeitig voller UND leerer als von 8 Jahren? Kann man hier also von Schrödingers Platz reden? Fragen über Fragen.

Dass der Alltag zweifelsohne attraktiver wäre, könnten wir uns aus alternativen Fakten eine neue Realität schaffen, beweisen die sozialen Medien. Denn dort melden sich zahlreiche User mit Fake-Pressemeldungen à la Spicer zu Wort:

Verlässliche Aussagen waren gestern

Ob die Anzahl der Zuschauer bei besagtem Ereignis nun größer oder kleiner als die vor 8 Jahren war, spielt eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass die mächtigste Regierung der Welt Lügen als probates Mittel für Pressemitteilungen hält und ferner in peinlichen Rechtfertigungsversuchen daran festhält. Des Weiteren wird die Presse in der Kommunikation exkludiert – mehr noch: Ihr wird sogar mit Konsequenzen für ihre Arbeit gedroht. Ganz zu schweigen davon, dass es keinen einheitlichen Kommunikationstenor des Weißen Hauses gibt, sondern diverse Sprecher unterschiedliche Aussagen verbreiten. Während der Pressesprecher noch, wie zuvor schon erwähnt, unumstößlich von der „größte[n] Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat“ spricht, ist dies wenig später laut Trump-Spitzenberaterin Conway nur noch ein „alternativer Fakt“. Was Donald Trump selbst dann noch auf Twitter postet, darf laut Experten sowieso nicht ernst genommen werden. Alles in Allem steuert die Kommunikation der amerikanischen Regierung dank ihres Steuermannes mit voller Absicht in ein Meer aus Lügen – und das dürfte nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt ein unruhiges Gewässer werden.

Als Kommunikationsexperten fragen wir uns natürlich: Wie kann man diesem Trend der alternativen Fakten oder des postfaktischen Zeitalters entgegenwirken? Der Schlüssel ist, sich nicht anstecken zu lassen von dem Verfall der Kommunikation, obgleich das wohl der einfachste Weg ist. Aber der Respekt vor seinem Gegenüber, fundierte Recherche und die Ächtung der Lüge sind nicht nur ehrbare Werte, sondern absolute Notwendigkeit für eine vernünftige Kommunikation. Das hat auch einen Nutzen für die eigene Person, nämlich Glaubwürdigkeit.

 

Gerne würde ich wissen, wie sehr die US-Regierung in euren Augen an Glaubwürdigkeit durch diesen Presse-Fauxpas eingebüßt hat. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Kopf oder Bauch? Sowohl als auch!

Kopf oder Bauch? Sowohl als auch!

Der Aufruf zur Blogparade „Entscheidungen treffen“ auf zielbar.de (die auch den Anlass zu diesem Blogpost gibt) wurde von Christian Müller mit einer Zahl eingeleitet (und wie es scheint einer wissenschaftlich fundierten), die mir zu denken gibt:

Wenn wir jeden Tag etwa 20.000 Entscheidungen treffen – wie wohlüberlegt kann jede einzelne davon dann sein?

Wie viele davon treffe ich überhaupt in vollem Bewusstsein über kurz- und langfristige Konsequenzen?

Vermutlich nur einen Bruchteil davon. Doch so manche Entscheidung wägt man dann doch sehr sorgfältig ab. Meist sind das diejenigen, die als folgenschwer (im Positiven wie im Negativen) und weitreichend eingeschätzt werden. In diese Kategorie fallen auch Business-Entscheidungen über Neuanschaffungen für das eigene Unternehmen, seien es Maschinen, Software oder Dienstleistungen. Vor allem, wenn an einer solchen Entscheidung noch ein gewisser Kostenaufwand hängt, wird sie sicher nicht nebenbei im Affekt gefällt.

Entscheidungen von genau dieser Art positiv bei den Kunden unserer Kunden zu beeinflussen, ist aber ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit in der B2B-Kommunikation. Darum handelt dieser Beitrag zur oben genannten Blogparade auch nicht von eigenen Entscheidungen (ich kann mich noch nicht einmal an alle 20.000 von gestern erinnern), sondern von den Entscheidungen anderer. Auf diese hat man durchaus Einfluss – den man verschwendet, wenn man sie dem Zufall überlässt.

Die harten Fakten

Ein rational handelnder Entscheider wird sich zunächst alle für ihn relevanten Informationen einholen. Welcher Herausforderung steht er gegenüber? Welche Lösungen gibt es dafür auf dem Markt? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Die erste Aufgabe besteht darin, dass der Kunde überhaupt in diesen Prozess der Entscheidungsfindung eingeschlossen wird. Um nicht unterzugehen, gilt es, auf den Kanälen präsent zu sein, in denen die Informationssammlung der Zielgruppe stattfindet. Genau dort muss ihm anschaulich, aber immer sachlich präsentiert werden, wie sein Unternehmen von der angepriesenen Lösung profitieren kann.

Was sagt der Bauch?

Neben der rationalen Komponente spielen in jede Entscheidung aber immer auch psychologische Faktoren – gewissermaßen die „Bauch-Komponente“ (die übrigens wichtiger ist als man denken mag) – und natürlich möchten wir beide Seiten im Entscheider ansprechen.

Stehen Menschen vor Entscheidungen, neigen sie oft zu der Alternative, die ihnen bereits bekannt ist. Psychologische Effekte wie dieser sind ein wichtiger Anknüpfungspunkt: Es geht nicht immer nur um Effizienzsteigerungen, ROI’s, Vertragslaufzeiten und Kostenrahmen. Auch ‚softe‘ Faktoren wie die Bekanntheit einer Marke, Vertrauen, Sympathie oder Glaubwürdigkeit können am Ende durchaus entscheidend sein und dürfen in der Unternehmenskommunikation daher selbstverständlich nicht außen vor gelassen werden.

Vielleicht wird die Kaufentscheidung letztendlich sogar davon maßgeblich geprägt, was vorher zum Mittag gegessen wurde. Da hört unser Einfluss dann allerdings auch auf.

Kommt nächste Woche wieder und lest einen weiteren Beitrag von Patrick zur Blogparade „Entscheidungen treffen“!

Video Storytelling – Klappe die Zweite

Video Storytelling – Klappe die Zweite

Letzte Woche hat mein Kollege Johannes Lossack bereits anschaulich erklärt, warum Video Storytelling, insbesondere Online Videos, so wichtig sind. Wie angekündigt, dreht sich unser heutiger Blogbeitrag rund um das Thema gute VS. schlechte Unternehmensfilme. Eingangs sei erwähnt, dass wir in dieser Gegenüberstellung nur Unternehmensfilme betrachtet haben, die darauf abzielen, das Image eines Unternehmens darzustellen. Neben diesen reinen Imagefilmen gibt es nämlich auch noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, wie Unternehmen im Bewegtbildformat mit ihren Zielgruppen kommunizieren können. (mehr …)

Was ist das für 1 unauthentische Kommunikation?

Was ist das für 1 unauthentische Kommunikation?

Erwachsene und Jugendliche stehen grundsätzlich in einem schwierigen Verhältnis zueinander. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass man sich gegenseitig einfach nicht versteht. Nicht den Kleidungsstil der anderen Partei, nicht ihren Musikgeschmack, und oft noch nicht einmal ihre Sprache. Bewundernswert ist jeder Erwachsene, der versucht Brücken zur Jugend zu schlagen, um sie besser zu verstehen. Bemitleidenswert ist jeder Erwachsene, der dabei auf verkleidungsartige Anbiederung setzt. Der Onkel, der bedingt durch eine Mid-Life-Crisis die eigene Jugend nachholen will: Wenn er sich auf der Familienfeier zu den Kindern und Jugendlichen setzt und dort mit Begriffen wie YOLO um sich schmeißt, erntet er meist nur peinlich berührtes Schweigen.

Alles andere als Schweigen, sondern jede Menge Aufmerksamkeit erregt, hat kürzlich eine Marketing-Aktion der Sparkasse. Sie greift auf genau dieses Onkel-Konzept zurück. Fremdscham verursacht sie trotzdem (dabei für die Jugendlichen zu sprechen, will ich mir allerdings auch nicht mehr anmaßen). Die Sparkasse, bzw. ihre findige Marketing-Abteilung, ist offensichtlich darauf aufmerksam geworden, dass es da eine Facebook-Seite gibt, die mit einer ureigenen Interpretation der deutschen Sprache überaus große Beliebtheit in der Jugend genießt – und eine entsprechend hohe Gefolgschaft aufweisen kann.

 

„In die Richtung müssen wir auf jeden Fall auch was machen“, dachte man sich wohl, und kreierte folgerichtig den Slogan:

 

Gönn dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.

Dass auch die Sparkasse eine jugendliche Zielgruppe ansprechen will, ist selbstverständlich nachvollziehbar. Das ist ihr gutes Recht, und darin liegt auch nicht die Krux bei der Sache (dass es überhaupt eine gibt, ist nur meine eigene Interpretation. Die Sparkasse selbst wird aufgrund der erregten Aufmerksamkeit vermutlich ganz zufrieden auf die Aktion blicken).

Bleibt in eurer Rolle!

Das Problem liegt vielmehr in der offensichtlich klaffenden Diskrepanz zwischen dem, was dieser Slogan vermitteln soll („Komm zu uns, wir sind genauso cool wie ihr“), und der sparkässlichen Realität („Wir sind zwar nicht so cool, aber dafür ist dein Geld bei uns in guten Händen“). Es würde meine Erfolgschancen wohl drastisch verringern würde, wenn ich für einen Darlehensantrag bei meinem Sparkassenberater in der vom Slogan vermittelten Ausdrucksweise vorsprechen würde – „vong Stacks her sieht grad not gut aus bei mir, könnt ihr da maybe mit 1 Kredit helpen?“. Das ist auch gut so und spricht erstmal nur für die seriöse Arbeitsweise der Sparkasse. Wenn die Kommunikation des Unternehmens diesem Fakt aber, wie im genannten Fall, diametral entgegensteht, macht man sich unglaubwürdig. Das ist nicht authentisch und wirkt wie eine Verkleidung zur Anbiederung bei der jugendlichen Zielgruppe (im Gegensatz übrigens zu einigen durchaus amüsanten Werbespots der Bank).

Weniger wie eine Verkleidung, sondern lediglich ziemlich einfallslos, wirkt deswegen auch eine ganz ähnlich geartete Marketingkampagne beim Lollypop-Hersteller Chupa Chups: Lutscher sind halt nicht so trocken wie Girokonten und Bausparverträge, da passt das schon eher. Ein wenig mehr eigene Ideen als das bloße Übernehmen beliebter Ausdrücke wären zwar wünschenswert, aber sei’s drum.

Wie macht man’s besser?

 

Was folgt daraus? Dürfen Unternehmen, die statt von einem jugendlichen Image eher von ihrer Seriosität leben, grundsätzlich nur eine biedere und konservative Kommunikationsstrategie fahren? Natürlich nicht. Diese Gratwanderung erfordert jedoch durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Aktion mit vergleichbarer Intention gelungen gestaltet wurde, bietet der suhrkamp-Verlag: Für ein Gewinnspiel auf der Facebook-Seite des Verlags sollten fiktive Titel zu aktuellen Themen für die Reihe stw (suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Suhrkamp’s Ableger für wissenschaftliche Publikationen, vorgeschlagen werden. Unter die Gewinner geschafft haben es dann tatsächlich Titel-Einsendungen wie dieser:

Was ist das für 1 Life? Zur Beantwortung der Frage, wie man sich nur so hart gönnen kann.

Auch hier möchte ein in die eher hochseriöse Ecke einzuordnendes Unternehmen eine jugendliche Zielgruppe ansprechen, indem es auf einen aktuellen Trend in deren Sprachgebrauch zurückgreift. Auf den ersten Blick also genau wie die Aktion der Sparkasse.

Der Unterschied liegt im Detail: Die Verwendung der Jugendsprache ging hier in Form der Einsendung von Vorschlägen, die den typischen Duktus wissenschaftlicher Veröffentlichungen gekonnt aufs Korn nehmen, von der Zielgruppe selbst aus. Und dass man Vorschläge wie den genannten dann tatsächlich unter den Gewinnern landen lässt, zeugt von einer sympathischen Fähigkeit zur Selbstironie seitens Suhrkamp. Diese kleine Brechung der eigenen öffentlichen Wahrnehmung tut weder der Seriosität noch der Authentizität des Verlags Abbruch; und die Zielgruppe wird dabei nicht imitiert, sondern auf Augenhöhe angesprochen.

 

So werden Brücken gebaut, Onkel Sparkasse.

 

Kennt ihr weitere Positiv- oder Negativbeispiele? Zeigt sie uns!
Kreativ sein – jetzt!

Kreativ sein – jetzt!

In der Kreativbranche ist das so eine Sache: Nirgendwo hat man so viel Handlungsspielraum und so viel Gestaltungsfreiheit wie hier. Gleichzeitig verspürt man nirgendwo sonst einen solchen Druck, wenn dringend eine zündende Idee gefragt ist – sie einem aber einfach nicht in den Sinn kommen mag. Oder wenn ein Artikel in kürzester Zeit geschrieben werden muss, aber klare Gedanken und ein kreativer Ansatz fehlen.

Gerade im PR-Alltag finden wir uns häufig in Situationen wieder, in denen Kreativität auf Knopfdruck gefragt ist – aber ist das überhaupt möglich? Kann ein Mensch täglich ununterbrochen kreativ sein? Und wenn ja, woher nimmt er die Inspiration? Lässt sich Kreativität trainieren?

Coolness-Faktor Kreativität

Fakt ist: Kreativität ist heute gefragt wie nie, kreativ sein ist „in.“ Ob Agenturen – die sich kreativen Inhalten von Berufs wegen verschrieben haben – Unternehmen, Gastronomie oder Privatpersonen – alle möchten Kunden und Bekannte mit kreativen Inhalten begeistern. Es genügt schon allein, sich die steigende Zahl an Start-Ups anzusehen, die mit vermeintlich immer neuen und noch innovativeren Ideen den Markt zu erobern versuchen. Oder noch weiter gefasst die gesamte Hipster-Szene, die sich nicht nur in einer bestimmten Haltung, Musikrichtung und einem speziellen Kleidungsstil niederschlägt, sondern auch in der Gestaltung von Kneipen und Cafés – hier ist alles irgendwie außergewöhnlich, hip, anders,…kreativ eben. Handy-Apps wie Pinterest erfreuen sich heute großer Beliebtheit, weil sie uns eine Anleitung zum Kreativ sein geben – und dazu, uns mit Außergewöhnlichem selbstbewusst von der Masse abzuheben.

Eine Anleitung für kreatives Schaffen gibt es leider nicht immer. Kreativität setzt ja gerade voraus, dass wir uns frei machen von vorgefertigten Mustern und in neuen Zusammenhängen denken.

In der Wirtschaft versucht man, Kreativität mit einer ganz bestimmten Methode zu fördern: “Design Thinking“ wird mittlerweile den meisten ein Begriff sein. Von einer Innovationsagentur erdacht, unterstützt die Design-Thinking-Methode bei der Ideenfindung und richtet sich dabei klar auf die Bedürfnisse des Nutzers aus – eine Vorgehensweise, die sonst eben im Design-Bereich üblich ist.

Voller Einsatz ist gefragt

Was ist aber nun das Geheimrezept derjenigen, die in ihrem Beruf Tag für Tag kreative Leistungen erbringen müssen oder wollen? Bevor man das beantworten kann, sollte man zunächst verstanden haben, wie kreative Menschen arbeiten – und was es konkret bedeutet, „kreativ“ zu sein.

Kreativität hat viele Gesichter: Wer kreativ ist, betrachtet Dinge aus einem anderen Blickwinkel, stellt ungewohnte Zusammenhänge her, wählt eine unübliche Form der Darstellung oder erschafft schlichtweg etwas Neues – egal ob es sich dabei um ein Gemälde, einen Text, eine neue Geschäftsidee oder eine unkonventionelle Problemlösung handelt. Worauf es aber ankommt: Kreativ ist eine Idee oder ein Produkt erst dann, wenn es auch als positiv oder wertvoll erachtet wird – kreativ ist in einer PR-Agentur also der, dessen Ideen gut beim Kunden ankommen? Stimmt nicht ganz: Er ist es erst dann, wenn seine Ideen auch umsetzbar sind.

Kreativität bedeutet auch, dass wir Fantasie und Logik, Vorstellungskraft und folgerichtiges Denken miteinander verbinden – und unser Gehirn dabei ganzheitlich einsetzen. Beide Gehirnhälften sind hier gefragt: Das digitale, von Rationalität und Logik geprägte, Denken einerseits und das analoge und bildhafte Denken andererseits. Kein Wunder, dass es uns nicht immer leicht fällt, kreativ zu denken.

Gedanken kommen und gehen, ohne dass wir einen erheblichen Einfluss darauf nehmen können – und meistens fehlen uns die richtigen dann, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Nicht selten fallen uns Ideen ein, wenn wir gerade am Einschlafen sind, oder unter der Dusche.

Und das ist nicht verwunderlich, denn in diesen Momenten können wir uns entspannen – und damit auch unsere Gedanken lockern. Erster Tipp also, um den kreativen Gedankenfluss anzuregen: Lernen, sich bewusst zu entspannen und loszulassen, um den Kopf frei zu schaffen für neue Einfälle. Regelmäßige Arbeitspausen sind wichtig!

4 Methoden zu mehr Kreativität

Dass wir stets im richtigen Moment den richtigen Gedanken haben, ist nie garantiert. Und trotzdem gibt es Methoden, mit denen wir der eigenen Kreativität auf die Sprünge helfen können – denn es ist bewiesen, dass sie in jedem von uns schlummert. Redakteur Bar Kast von Der Tagesspiegel hat einige, selbst getestete, Strategien gesammelt – nachdem er zwei Jahre lang zum Thema Kreativität geforscht hat:

  1. Das Gehirn mit Ungewöhnlichem konfrontieren

Nur wie? Es genügt schon allein, ab und an aus der Alltagsroutine auszubrechen – und zum Beispiel mal das Fahrrad zu nehmen statt die U-Bahn, oder einen anderen Weg zu fahren als sonst. Auch das Lesen eines neuen Buchs oder einer unbekannten Zeitung kann dabei helfen, sich für das Ungewohnte zu öffnen und damit kreativer zu werden.

  1. Ins Ausland gehen und eine Fremdsprache lernen

Im Ausland braucht es nicht mehr, als einen Schritt vor die Tür zu setzten, um Ungewohntes zu erleben – und damit seine Wahrnehmung und sein Denken zu stimulieren. Auch die fremde Sprache beeinflusst unser Denken auf positive Weise und kann dazu beitragen, unsere Gedanken zu lockern. Tatsächlich schneiden Menschen, die länger im Ausland gelebt haben, in Kreativitätstests besser ab als andere, wie Adam Galinsky von der Columbia University zeigt.

  1. Brainstorming? Nicht so gut wie sein Ruf

Wenn ein Team gemeinsame Ideen sucht, ist die erste Herangehensweise meist: Ein Meeting zum Brainstorming einzuberufen. Dabei haben zahlreiche Studien längst bewiesen, dass diese Methode wenig effektiv ist und Menschen alleine oftmals auf mehr und bessere Gedanken kommen als in der Gruppe. Grundsätzlich gilt: Wenn Brainstorming, dann mit einem Moderator, der für einen produktiven Gedankenaustausch sorgt.

  1. Freude am Austausch in der Gruppe

Kreativität, vor allem in der Gruppe, gründet auf einem gelungenen, zwischenmenschlichen Austausch – denn erst dann, ist das Team mehr als nur die Summer der Einzelnen und in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ja, ich nehme gerne auch mal das Fahrrad zur Abwechslung und ja, ich war bereits mehrmals im Ausland und habe gleich mehrere Fremdsprache gelernt. Ich tausche mich gerne mit meinen Kollegen aus, mache mir aber auch in Ruhe meine eigenen Gedanken. Und trotzdem gibt es Kreativitätsflauten in meiner täglichen Arbeit…ein Trost bleibt mir immerhin: In der Forschung besagt die „Zehn-Jahres-Regel“, dass im Schnitt rund zehn Jahre intensiver Einarbeitung nötig sind, um es in einer Branche zur kreativen Könnerschaft zu bringen – na dann bleibt mir ja noch etwas Zeit!

Kreativität „auf Kommando“ – ist das auch in Eurem Job gefragt? Und wenn ja, wie geht Ihr mit solchen Situationen um? Ich freue mich über Eure Kommentare!