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Empathie: Schon wieder so ein Modewort des 21. Jahrhunderts. Man kennt sie als das A und O-Soft Skill der Arbeitswelt und als eine der wichtigsten Kompetenzen von Managern – und auch als angehende PR-Berater begegnet sie euch früher oder später im Berufsalltag. Wenn ein Wort so schnell zu so großer Bedeutung gelangt, lohnt es sich, seine Definition mal genauer zu reflektieren und eine Interpretation im Sinne der PR vorzunehmen. Was also bedeutet Empathie? Und was hat sie konkret mit PR zu tun? Eine Sinnsuche.

Empathie abstrakt: Am Anfang war… die Leidenschaft

Die Suche nach einer Definition startet ganz klassisch und unserer Generation angemessen: Füttert man Google mit dem Wort „Empathie“, wirft einem die Suchmaschine ungefähr 5,93 Millionen Ergebnisse aus. Viele davon sind Tests – Tests, die die „emotionale Intelligenz“ vermessen, Typentests, Empathietests für Manager oder sogar eine Software, entwickelt von Forschern der Ohio State University, welche verspricht, Emotionen mit einer Trefferquote von 77 Prozent aus Gesichtern ablesen zu können. Ein erstes Fazit: Das Wort scheint in den letzten Jahren ganz schön Karriere gemacht zu haben.

Gehen wir die Recherche klassischer an, nämlich mit dem Griff zum guten alten Duden, erfahren wir: Englisch „empathy“ und ursprünglich spätgriechisch „empátheia“ steht für „Einfühlung“ und „Leidenschaft“. Im Kontext unserer Wertegesellschaft wird insbesondere von der „Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen“ gesprochen. Wikipedia ergänzt diese Definition und erklärt: „Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen gezählt.“ So weit, so gut: Empathie klingt nach einer wichtigen, emotionalen Kompetenz.

Halten wir also fest: Es geht darum, zu verstehen, was in einem anderen vorgeht. Empathie bedeutet, Gefühle wahrnehmen zu können und die Gedanken und Absichten hinter ihnen zu begreifen. Sprich: Wenn jemand die Fähigkeit zur Empathie besitzt, kann er sich a) gut in andere Menschen hineinversetzen und b) der Gefühlslage der anderen entsprechend angemessen handeln.

Empathie konkret: Das PR-Berater Soft Skill schlechthin

Vielleicht habt ihr nun gedanklich bereits die Brücke zwischen Empathie und dem Job des PR-Beraters geschlagen. Denn in unserem angestrebten Berufsbild steht ja bekanntlich eine Sache im Fokus: die Kommunikation. Und bei Kommunikation geht es nicht nur darum, eine Botschaft von A nach B zu tragen, sondern auch darum, wie das geschieht. Die Herausforderung bei der Sache: Sinn und Verständnis einer Botschaft bildet der Empfänger ausgehend von seinem spezifischen Erfahrungs- und Erwartungshorizont, der wiederum von seinen Gefühlen und Bedürfnissen beeinflusst wird. Die Art und Weise wie wir miteinander sprechen, können wir dementsprechend nur dann beeinflussen, wenn wir den anderen verstehen und auf ihn einzugehen wissen. Fehlende Empathiefähigkeit kann hierbei im Umkehrschluss eine bedeutende Ursache für missglückte Kommunikation sein. Damit versteht sich PR ebenfalls als Dialog- und Beziehungsmanagement. Und das kann auf unterschiedlichsten Ebenen stattfinden.

Empathiefähigkeit je nach Stakeholder

Geht es um die Beziehung zwischen PR-Berater und Kunden sowie PR-Berater und Journalisten, spielt Empathie eine entscheidende Rolle. Denn immerhin sind das zwei unserer wichtigsten Stakeholder, bei denen diese Fähigkeit über Erfolg oder Misserfolg in der Kommunikation entscheiden kann.

Auch in der PR-Arbeit gilt: Der Kunde ist König. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, Kulturen, Befindlichkeiten und Erwartungen der Auftraggeber zu verstehen und dementsprechend mit ihnen zu kommunizieren. Empathie stellt eine wichtige Komponente dar, um die Perspektive sowie Erwartung des Kunden zu durchleuchten und dahingehend PR-Maßnahmen sowie Handlungsempfehlungen abzuleiten. Damit verbunden ist ein entsprechendes Erwartungsmanagement dem Kunden gegenüber – schließlich kann Öffentlichkeitsarbeit vieles, aber eben auch nicht alles.

Betrachten wir schließlich die Beziehungsebene zwischen PR-Berater und Journalisten: Konkret heißt Empathie hier, dass wir die Bedürfnisse und die Arbeitsweise des Journalisten kennen und unser Tun daran auszurichten wissen. Die Interessen der Journalisten mit den Themen der Kunden zusammenzubringen, kann da manchmal ein ziemlicher Drahtseilakt sein. Als PR-Berater bedeutet das: Beziehungen zu Journalisten zu pflegen, aber manchmal auch zur richtigen Zeit mit der richtigen Geschichte am richtigen Ort zu sein.

Empathie in der PR-Beratung – Mehr als nur ein Modewort

Wenn ich schließlich so recht darüber nachdenke, dann klingt Empathie gar nicht mehr nur nach einem Modewort unserer Zeit, sondern vielmehr nach der entscheidenden Kompetenz im PR-Beruf. Gerade das ist es, was unsere Arbeit hier bei Maisberger am Ende des Tages so spannend und abwechslungsreich macht: das richtige Gespür für das Zwischenmenschliche und die feinen Nuancen der Kommunikation – und dafür steht für mich Empathie in der PR.

Was haltet ihr vom PR-Soft Skill Empathie?

Ist es für euch eine wichtige Kompetenz oder nur eine leere Worthülse?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare und Einblicke!

Maike Schwickert

Maike Schwickert

Account Executive bei Maisberger
verstärkt seit Februar 2017 das Industrie-Team. Nach ersten Schritten im Bereich Corporate Communications bei einem großen Automobilkonzern in Deutschland und Australien, ergründet sie nun bei Maisberger die B2B-Kommunikation in all ihren Facetten.
Maike Schwickert