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Eine Anleitung in 3 Akten

1. Akt: Verwirrung

Die ersten Tage und Wochen in einer PR-Agentur können das eigene Sprachzentrum und den vorhandenen Wortschatz schon sehr herausfordern – ist man dann noch im IT-PR-Team der selbigen Agentur, macht es das nicht gerade einfacher:

Willkommen im Land der Anglizismen! Einige Beispiele:

Davon wimmelt es in der IT-Branche nämlich geradezu. Für mich als Neuling tauchen plötzlich ganz, ganz viele Begriffe und Wörter auf, die ich weder zuordnen kann, geschweige denn weiß, was sie zu bedeuten haben. Der perfekte Moment für Bullshit-Bingo, oder?

 

Bullshit-Bingo, Buzzword-Bingo, Besprechungs-Bingo oder auch Meeting-Bingo genannt, ist eine humoristische Variante des Bingo-Spiels, die die oft inhaltslose Verwendung zahlreicher Schlagwörter in Vorträgen, Präsentationen oder Besprechungen persifliert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Buzzword-Bingo

In diesem Fall weiche ich von der üblichen Definition von Bullshit-Bingo ab und präsentiere meine eigene:

Bullshit-Bingo, Buzzword-Bingo, Besprechungs-Bingo oder auch Meeting-Bingo genannt, ist der Moment im beginnenden Arbeitsleben, in dem alle im Raum Anwesenden wissen, worüber gesprochen wird und man selbst nur Bahnhof versteht!

2. Akt: Erklärung eines IT-PR-Anfängers

So erging es mir wie den meisten Neulingen: Man hat zu Beginn Schwierigkeiten mit den Begrifflichkeiten der PR-Sprache und den technologischen Fachbegriffen aus dem IT-Bereich. Gerade das IT-Vokabular wurde in der englisch-sprachigen Forschung geprägt – eine Übersetzung ins Deutsche ist zum einen oft schwierig und ungenau und erschwert zum anderen auch die Zusammenarbeit mit internationalen Kunden. Die Nutzung jener Fachbegriffe ist deshalb durchaus sinnvoll und gehört zum Standard-Repertoire, um fundierte PR-Arbeit zu leisten.

Ziel ist es natürlich nicht, Buzzword an Buzzword zu reihen – denn mit inhaltsloser Verwendung von möglichst vielen Schlagwörtern lässt sich keine PR-Maßnahme erfolgreich umsetzen. Wie so oft gilt auch hier: Qualität vor Quantität. Das heißt wiederum, man muss wissen, was sich hinter diesem Dickicht an Fachwörtern verbirgt und darf sich nicht im Begriffsdschungel verirren. Denn nur fundierter Inhalt und Substanz gewinnen. Doch wie bringt man Licht ins Dunkle – in dem Fall in sein persönliches Bullshit-Bingo?

3. Akt: Katharsis

  1. Mut zum Unwissen: Frag deine Kollegen!

Es macht keinen Sinn, sich hinter Bullshit-Bingo zu verstecken. Die Kollegen verfügen teilweise über jahrelange Erfahrung und merken sofort, wenn sie nur eine sinnlose Buzzword-Reihung vor sich haben. Zudem versteht man schneller, was sich hinter einem Begriff verbirgt und kann bei Unklarheiten gleich noch nachfragen – schneller und effektiver als stundenlanges Googeln!

  1. Lesen

Nimm dir zu Anfang die Zeit und klicke dich durch die Seiten deiner Kunden. Zum einen findet man so die Begrifflichkeiten heraus, mit denen der Kunde arbeitet, zum anderen sind hier auch viele Fachbegriffe erklärt oder grafisch dargestellt. So erfährt man auch, was das Produkt der Kunden ist, wie es heißt, wie es funktioniert und was es leisten kann.

  1. Lesen, die zweite

Deine Kollegen werden dir sicher Artikel aus Tages- und Wirtschaftszeitungen zum Einlesen geben. Da Journalisten dieser Medien nicht davon ausgehen, dass der Leser mit den IT-Begrifflichkeiten vertraut ist, findet man hier meist gute Erklärungen und wird zudem mit dem thematischen Umfeld vertraut.

  1. Lesen, die dritte

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich auch mit Beiträgen in Fachzeitschriften vertraut machen sollte. Man hat ein gewisses Grundvokabular und es wird Zeit für den Aufbauwortschatz!

  1. Lesen, die vierte

Jetzt ist man bereit, um Studien zu lesen und zu verstehen. Trifft man dabei auf unbekannte Worte, ist wieder Punkt 1 zu empfehlen – falls man sich die neuen Buzzwords nicht selbst erschließen kann.

  1. Das wichtigste: Die richtigen Tools und der Spaß

Sei immer mit Stift und Block bewaffnet: Im Meeting, am Arbeitsplatz, im Flur und in Gesprächen werden immer wieder neue, unbekannte Worte auftauchen: Notieren und zu Punkt 1 übergehen, denn spätestens bei Punkt 2-5 werden diese Bullshit-Bingo-Begriffe wieder auftauchen – nur versteht man sie diesmal und kann die Buzzwords im richtigen Zusammenhang nutzen. Bingo!

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Was waren die Worte, die bei euch den Bullshit-Bingo-Gedanken ausgelöst haben? Schreibt es in die Kommentare!

Marina Illy

Marina Illy

Account Executive bei Maisberger GmbH
Marina Illy studierte Kulturwissenschaften an der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg und European Studies an der Universität Basel und schloss im September 2016 ihren Master of Arts ab. Seit Mai 2017 ist sie bei Maisberger im IT-Team.
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