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Es gibt da eine bestimmte Sorte von Uni-Absolventen. Studenten, die aus Liebe zu einer Sprache oder Kultur ein Fremdsprachenstudium absolviert haben, ohne dabei ein bestimmtes Berufsbild vor Augen zu haben. Ich selbst gehöre dazu. Lehrer? Übersetzer? Dolmetscher? Irgendwie war das alles nichts für mich. Ich entschied mich für PR!

„Irgendwas mit Sprachen, nur kein Lehramt“. Es war diese Wunschvorstellung, die mich nach meinem Abitur zu einem fünfjährigen, geisteswissenschaftlichen Studium mit dem Schwerpunkt Fremdsprachen bewog. Erst später bemerkte ich, dass mir dieses „irgendwas“, von dem ich anfangs so überzeugt war, zum Verhängnis werden würde. Und zwar zum Zeitpunkt der Jobsuche, als es darum ging, zukünftige Arbeitgeber vom eigenen Lebenslauf zu überzeugen. Und tatsächlich kann ich verstehen, dass sich manch einer unter „Deutsch-Italienischen Studien“ und einem Master mit dem Titel „Interkulturelle Europastudien“ zunächst nichts Konkretes vorstellen kann. Und das war es auch nicht, ganz im Gegenteil: Mein Studium lässt sich als ein Mix aus den Sprachen Französisch, Italienisch und Englisch sowie einer Reihe von Nebendisziplinen wie Kultur-, Medien- und Politikwissenschaft beschreiben. „Und was macht man dann damit?“ schien eine zunächst berechtigte Frage, die mir Bekannte und Verwandte häufig stellten. Dank meiner zahlreichen Praktika in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit war mir zum Glück aber schnell klar, wo es hingehen sollte: in eine PR-Agentur, am besten international. Wieso? Dafür gibt es einige gute Gründe…

Flexibilität ist die halbe Miete

Nicht selten schauen mich Freunde schräg an, wenn ich ihnen stolz von meiner neuen Trainee-Stelle in einer PR-Agentur erzähle: Die Fremdsprachenliebhaberin, die in Auslandssemestern dem italienischen „dolce vita“ und dem französischen „savoir vivre“ verfallen ist, soll jetzt in einer deutschen PR-Agentur arbeiten? Die sich noch dazu Kunden aus den Branchen IT, Industrie und HR verschrieben hat? Diese Vorstellung erscheint vielen offenbar befremdlich. Dabei bestehen zwischen einem Fremdsprachenstudium und der Arbeit in einer PR-Agentur mehr Anknüpfungspunkte als in vielen anderen Berufen – selbst dann, wenn die studierten Sprachen im Arbeitsalltag gar nicht angewandt werden. Man muss nur genauer hinsehen.

Offenheit, Flexibilität und Anpassungsvermögen werden in einer PR-Agentur groß geschrieben. Um die Tätigkeitsfelder und Produkte der verschiedenen Kunden zu verstehen und entsprechend zu vermarkten, muss man sich in die unterschiedlichsten Themen einlesen – und darf dabei keine Scheu vor fremden Fachbegriffen haben. Denn davon gibt es vor allem in der rätselhaften Welt der IT viele! Business Intelligence, People Computing, Mikrosegmentierung – Begriffe, die ich vorher noch nie gehört hatte, begleiten mich nun in meiner täglichen Arbeit. Recherche allein reicht aber noch nicht aus: Die Kunst eines jeden PR-Beraters ist es letzten Endes, die Sprache der Kunden sprechen zu lernen. Und wer wäre dafür geeigneter als Fremdsprachenstudenten?

Wenn es um das Thema „Anpassungsfähigkeit“ und „Offenheit“ geht, rangieren Fremdsprachenstudenten sicherlich mit an erster Stelle. Kaum einer lernt eine Sprache nur, weil sie ihm gefällt oder Spaß macht. Sprachen sind dazu da, um im jeweiligen Land oder den jeweiligen Regionen angewandt zu werden. Sie fördern den Kontakt zwischen unterschiedlichen Kulturen und tragen dazu bei, dass wir in eine Gesellschaft integriert werden – als ehemalige Mitbewohnerin einer internationalen WG spreche ich hier aus Erfahrung. Fremdsprachenstudenten interessieren sich für die Mentalität und Kultur, die hinter einer Sprache steckt, und sind deshalb von Grund auf offen und anpassungsfähig.

…wozu ein Fremdsprachenstudium bei der täglichen PR-Arbeit außerdem nützlich ist? Das erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag. Haben auch Sie etwas vermeintlich „Fachfremdes“ studiert? Und wie bringen Sie Ihr Uni-Wissen heute in der PR ein? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Sophia Gese

Sophia Gese

Sophia Gese kommt aus Würzburg und absolvierte ihr Bachelor- und Masterstudium an der Universität Regensburg. Anfang 2016 schloss sie dort ihren deutsch-französischen Master „Interkulturelle Europastudien“ ab. Seit einem Monat arbeitet Sophia als Trainee bei Maisberger und unterstützt das IT-Team bei Themen wie Business Intelligence, Cloud Computing und Cyber-Security
Sophia Gese